Tanja Vieth

Shopping-Detox für ein ganzes Jahr! Trendscout und Lifestyle-Expertin Tanja Vieth testet im Selbstexperiment, wie es sich anfühlt, ein Jahr lang keine neue Kleidung, Schuhe oder Taschen zu kaufen. Im Interview verrät uns die 38-Jährige, was hinter dem Projekt steckt, welche Rolle Nachhaltigkeit in ihrem Leben spielt und warum ihr das Thema so sehr am Herzen liegt ...

  

Seit dem 1.12. machst du ein Selbstexperiment, worum geht es?

Es geht um den Konsumrausch in der Modewelt. Unsere Kleiderschränke sind voll von Kleidung und die Firmen bieten trotzdem immer mehr an und verkaufen dieses in großen Rabattschlachten. Produziert zu miserablen Bedingungen, teilweise immer noch von Kindern gefertigt. Mode wird manchmal sogar nur einmal getragen um ein Foto damit zu machen, auf Instagram zu posten und dann ist das Teil nicht mehr interessant. Ich werde ausprobieren, wie viel Potenzial im eigenen Kleiderschrank steckt, wenn ich ein Jahr lang keine neue Kleidung, Schuhe oder Taschen kaufe. Wie ändert sich das Bewusstsein und die Wertschätzung der einzelnen Teile. In dieser Zeit werde ich darüber auf meinem Blog schreiben und Kontakt zu Herstellern aufnehmen, die faire Mode produzieren.

 

Was hat dich dazu bewegt über nachhaltige Mode nachzudenken?

Im Rahmen eines Forschungsprojektes für die Universität habe ich zum Thema Stadt und Mode geforscht. Das war der Startschuss. Dennoch hat es über zwei Jahre gedauert, bis ich an dem heutigen Punkt war. Ich war, wie viele andere, immer wieder geblendet von der bunten Vielfalt, so dass am direkten Point of Sale, die Herkunft der Kleidung kaum eine Rolle gespielt hat und ich das Kleidungsstück nur noch haben wollte.

Der Preis, den wir im Laden bezahlen, hat nicht, wie viele glauben, etwas mit den Arbeitsbedingungen und Löhnen zu tun. Die sind bei Discountern und Designerlabels fast identisch und häufig wird Kleidung in den gleichen Fabriken hergestellt. Es hat sich für mich nicht mehr gut angefühlt, Kleiderständer für diese Labels zu sein. Ich habe angefangen, mich für mein Verhalten zu schämen und konnte die Augen nicht länger vor der Wahrheit verschließen.

 

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?

Nachhaltigkeit bedeutet auch, querdenken und mit unseren Ressourcen verantwortungsbewusst umzugehen. Darunter verstehe ich, heute so zu handeln, dass unsere Welt morgen für möglichst viele Lebewesen lebenswert ist. Daran zu arbeiten, den ökologischen Fußabdruck, der sich aus Komponenten wie Ernährung, Wohnen, Mobilität und Konsum zusammensetzt, klein zu halten. Konsum macht zwar nur ca. 18 % dieses Abdruckes aus, sollte aber dennoch nicht vernachlässigt werden.  

 

 

 

Welche Ziele verfolgst du mit dem Experiment?

Das Ergebnis einer Umfrage sagt, dass jeder Zweite behauptet Kleidung aus fairen Bedingungen zu kaufen. Faire Mode hat jedoch nur einen Marktanteil von 2 Prozent. Ich möchte, dass dieser Anteil erhöht wird. Wir brauchen neue Gesetze und müssen die Verantwortung dafür übernehmen. Keine Ausreden mehr.

Wenn wir gemeinsam für faire Bedingungen sind, dann können wir verhindern, dass Menschen in den betroffenen Ländern ausgebeutet werden und die Kinder eine selbstbestimmte Zukunft haben. Ich möchte mehr Menschen für dieses Thema sensibilisieren.

  

Neben deinem Blog, betreibst Du auch eine eigene Coaching-Agentur und dein Living-Label "woodUwant". Was würdest du sagen, ist dein Profession?

Nach meiner Ausbildung zur Stylistin folgte ein Bachelor Studium im kreativen Bereich und ein wissenschaftliches Master-Studium in Los Angeles und in Hamburg.

Ich gehöre zu den Menschen, die sich mehrere Stunden, Tage, ach, ich muss ehrlich sein – Wochen – über eine passende Berufsbezeichnung Gedanken gemacht hat. Meine Großeltern hatten einen einzigen Beruf, meine Eltern ebenso und ich? Ich kann und will mich einfach nicht entscheiden. In der Psychologie nennt man es wohl beruflich ambivalent. Heute weiß ich, dass all meine Leidenschaften etwas damit zu tun haben, Menschen zu inspirieren.

 

Wie kamst du auf die Idee deine eigene Marke zu entwickeln?

Ich habe jahrelang eine Agentur geleitet und nicht gemerkt, dass es nicht die Agentur ist, die gut ankommt, sondern ich. Ungefähr zur gleichen Zeit habe ich mich mit einem Unternehmenscoach unterhalten und meinen Instagram Account eröffnet, der innerhalb kurzer Zeit viele Follower generiert hat. Mein Coach hat mich angesehen und gesagt: „Tanja, das bist Du! Nicht die Agentur! Die Menschen mögen dich und wollen von dir persönlich beraten werden.“ Das war Schock und Erlösung zugleich. Endlich wusste ich, was mich erfüllt und was meine Aufgabe ist. Den ganzen Aufbau meiner Marke habe ich einem tollen Team zu verdanken.

 


 

Dieses Jahr im September hast du dein Atelier eröffnet, wie war bzw. ist das für dich?

Hin und wieder immer noch unwirklich! Wir haben monatelang alle auf diesen Tag hingearbeitet, geplant und Marktforschung betrieben. Auch wenn so viele Köpfe daran beteiligt waren, ist am Ende etwas ganz Persönliches entstanden und ich bin immer noch sprachlos, wie gut alles geklappt hat und wie authentisch das Ergebnis geworden ist.

 

Worauf können sich deine Kunden freuen, wenn sie dich in deinem Atelier besuchen?

Ich biete unterschiedliche Lifestyle und Beauty-Workshops an und auch Einzelcoachings. Hinzu kommen Fotoshootings speziell für Frauen im Portrait- oder Businessbereich. Außerdem bin ich Founder vom Label „woodUwant“, welches individuelle Wohnaccessoires herstellt. Ich lebe und forsche abwechselnd in Hamburg und Los Angeles. Meine Themen beziehen sich unter anderem auf Zufriedenheit im Berufsleben und das Zusammenspiel von Stadt und Mode, worüber ich auch Vorträge halte. Meine Kundinnen lieben den frischen Wind, den ich immer wieder mitbringe und lassen sich gerne inspirieren. Ich habe ein offenes Ohr und mir ist es wichtig, dass Kunden leichter und glücklicher aus diesen Terminen gehen.

 

 

 

 

Alle Infos zu Tanja Vieth und ihrem Projekt bekommt ihr unter: www.tanjavieth.com

Hier findet ihr Tanja Vieth bei Instagram und Facebook 

 

Fotos: Tanja Vieth, Redaktion: Susanna Sapiains Valencia