Melissa Holley

Multitasking ist definitiv kein Problem für Schauspielerin Melissa Holley. Im Sherlock-Holmes-Klassiker "Baskerville", der noch bis zum 14. Dezember im Altonaer Theater zu sehen ist, spielt sie gleich 13 verschiedene Rollen! Im Interview verrät uns die 27-Jährige, wie sie es schafft, dabei nicht den Überblick zu verlieren, was gegen Lampenfieber hilft und warum die Schauspielerei ihr absoluter Traumberuf ist…

 

 

Du stehst aktuell im Stück „Baskerville“ im Altonaer Theater auf der Bühne und schlüpfst dafür gleich in 13 verschiedene Rollen. Was ist dabei die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung sind eigentlich die ganzen Kostümwechsel, die ich habe. Da muss es meistens schnell gehen und ich muss schauen, dass ich die richtigen Requisiten für die jeweilige Rolle habe. Wenn ich dann auf der Bühne bin und die Rolle spiele, kann ich mich wieder fallen lassen und es genießen. Also dieser Wechsel zwischen spielen und sich die Zeit nehmen und dann wieder schnell, schnell umziehen und Chaos. Aber das wird in dem Stück ja auch so thematisiert und wir spielen damit. Das macht schon sehr viel Spaß!

 

Welche der Rollen macht dir denn am meisten Spaß?

Am meisten Spaß macht mir die Rolle „Cartwirght“, ein kleiner lispelnder Straßenjunge, der für Holmes kleine Jobs erledigt. Ich liebe es einfach, diese Jungs-Klischees zu spielen – diese kindliche Naivität, die pure Begeisterung für Kleinigkeiten, die schnelle Ablenkung von anderen Sachen, sich über die kleinsten Sachen kaputt zu lachen, in der Nase bohren usw.

 

Was verbindest du selbst mit den Geschichten von Sherlock Holmes?

Ehrlich gesagt: meinen Englisch-Unterricht von früher. Da haben wir die Geschichten mal gelesen und in Klausuren dann analysiert. Und ich verbinde ein Stück weit meine britischen Wurzeln damit. Zum einen, weil es in London spielt und die Orte, die dort genannt werden, mich an meine zweite Heimat erinnern. Zum anderen, weil es einfach volle Kanne mein Humor ist und ich mich direkt mit der „feinen englischen Art“ wie zu Hause fühle.

 

Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?

Ich habe mit 4 Jahren mit Ballett angefangen und war da an einer Ballettschule, wo sie ab meinem 9. Lebensjahr auch Schauspielunterricht angeboten haben. Ich habe es damals ausprobiert und sofort geliebt! In unterschiedliche Rollen zu schlüpfen, Menschen auf diese Art und Weise Geschichten zu erzählen und die verschiedenen Gedankengänge und Verhaltensweisen von Menschen zu verstehen und wiederzugeben – großartig! Mir wurde plötzlich bewusst, wie aufmerksam und beobachtend ich im Alltag anscheinend war, da ich schnell das Auftreten und die Handlungsweisen unterschiedlicher Menschen wiedergeben konnte. Jetzt wusste ich auch wofür!

Wir haben dann jedes Jahr Stücke und auch Musicals gemacht und ich wollte bis ich 16 war eigentlich Musicaldarstellerin werden, aber habe mich dann damals doch für Schauspiel entschieden, weil ich dafür einfach die größte Leidenschaft verspürte. 

 

 

Du bist im Theater, aber auch im TV, z.B. in „Notruf Hafenkante“ zu sehen. Was gefällt dir mehr: Leinwand oder Bühne?

Das ist schwer zu sagen. Auf der Bühne liebe ich einfach das Unmittelbare und das Pure. Es ist auch immer eine gewisse Aufregung dabei, die einem Adrenalin verspüren lässt, da man sozusagen nur „one take“ hat und nicht wie im Film mehrere Versuche. Außerdem ist jede Vorstellung anders, da es immer ein anders Publikum ist und somit immer ein anderer Energieaustausch stattfindet. So bleibt es immer aufregend. 

Im Film und Fernsehen finde ich es aber genauso spannend, wie fein man vor der Kamera spielen darf und was für eine große Wirkung das schon haben kann. Das kleinste Augenzucken kann schon was bedeuten – die Kamera sieht alles! Daher finde ich, liegt die Herausforderung beim Film darin, ehrlich zu sein und wirklich zu fühlen, ansonsten kann es schnell unauthentisch sein und nicht berühren. Die Konzentration ist also eine ganz andere. Ich glaube, ich müsste noch ein paar Jahre Erfahrungen sammeln, um zu sagen, was von beiden mir besser gefällt.

  

Was liebst du am meisten an deinem Job als Schauspielerin?

Ich habe eine Leidenschaft für Menschen, für diese faszinierenden Menschen und möchte alle Facetten des Daseins kennenlernen. Wenn ich also eine Rolle spiele, schlüpfe ich in den Körper, Geist und Herz dieses Menschen und es ist wie eine Reise in ein unbekanntes Land. Das ist schon seh aufregend und interessant. Außerdem lerne ich immer neue Sachen dazu, wie z.B. Gitarre lerne für das Musical Hair, dass ich im Sommer gespielt habe. Es wird also nie langweilig! Das ist das Schöne an meinem Job.

 

Welches wäre deine absolute Traumrolle?

Alle Helena Bonham Carter Rollen!

 

Hast du vor einem Auftritt noch Lampenfieber. Wenn ja, welcher Trick hilft dagegen?

Ja, habe ich. Meistens vor Premieren oder wenn meine Familie und Freunde zuschauen kommen. Alle sagen ja immer, dass das gut ist, wenn man aufgeregt ist, aber in dem Moment frage ich mich jedes Mal, warum tue ich mir das an? 

Einen richtigen Trick habe ich leider noch nicht gefunden. Ich versuche einfach die Aufregung in Energie und Konzentration umzuwandeln und tief zu atmen. Zum Glück sind es immer nur die ersten Sekunden auf der Bühne und dann geht das Lampenfieber wieder weg.

 

 

 

Was machst Du am liebsten, wenn du mal nicht auf der Bühne stehst?

Einen Tag gemütlich im Bett liegen und Filme und Serien schauen – das ist meine absolute Entspannung! 

Ansonsten verbringe ich meine freie Zeit am liebsten mit meiner Familie und meinen Freunden – zusammen lecker essen gehen oder in einem Café zusammen die Zeit beim Quatschen vergessen. 

Ich interessiere mich auch für gesunde und pflanzliche Ernährung und koche und backe daher ganz gerne und probier neue Rezepte aus.

Dann mache ich noch Yoga oder gehe laufen, um mich fit zu halten und mich gut in meinem Körper zu fühlen.

 

Du hast, wie du uns verraten hast, britische Wurzeln, lebst aber in Hamburg. Was sind deine Lieblingsorte in unserer Stadt?

Ich hab so viele Lieblingsorte hier! Zum Spazieren oder Joggen gehe ich gerne entlang der Alsterkanäle – vom Haynspark über den Leinpfad zum Bellevue und über die wunderschönen Brücken an der Außenalster. Die Strecke von Övelgönne zum Elbpark am Strand entlang ist aber auch toll. Dann trinke ich meinen Kaffee am liebsten bei Public Coffee Roasters in der Wexstraße – einfach der beste Kaffee! Und lecker Ramen essen bei Momo Ramen in der Margarethenstraße – momentan mein Lieblingsessen!

 

  

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Mehr zum Stück "Baskerville" im Altonaer Theater
erfahrt Ihr unter www.altonaer-theater.de

 

 

Fotos: G2 Baraniak, privat