Marlena Sdrenka

Müll? Nein, danke! Marlena Sdrenka ist Founderin und Geschäftsführerin der Nonprofit Organisation „Zero Waste Germany“ und Nachhaltigkeits-Beraterin für Unternehmen und Privatpersonen. Mit ihrer Arbeit macht sich die 30-Jährige für einen bewussteren Umgang mit unseren Ressourcen stark. Hier verrät sie uns, was ihre Arbeit ausmacht und wie wir es schaffen können, unseren Alltag nachhaltiger zu gestalten…

 

Wie bist du auf die Idee deines Blogs „Zero Waste Plant Power“ gekommen?

Mir persönlich hat eine einfache, lösungsorientierte und vor allem praxisnahe Herangehensweise gefehlt, mit der man jeden Menschen ansprechen kann und zu positiven Veränderungen inspiriert und nicht nur die Menschen, die sich eh schon für den Umweltschutz o.Ä. engagieren. Eine Art der Kommunikation, die die Massen erreicht und Mainstream tauglich ist. Deshalb berate ich zum Beispiel auch etablierte Umwelt-Organisationen bezüglich ihrer Kommunikation und Ansprache zum Thema Nachhaltigkeit.

 

Wie sieht deine Arbeit als Nachhaltigkeitsberaterin aus?

Die Arbeit ist sehr vielfältig, angefangen bei Arbeitsgruppen, über Referentenvorträge, Workshops, Öffentlichkeitsarbeit, Kleidertauschparties, Stammtische, Kommunikationsberatungen, bis hin zu internationaler politischer Lobbyarbeit z.B. in Brüssel und Unternehmensberatungen im Bereich CSR-Strategie.

 

Welche Bereiche umfasst Zero Waste eigentlich? Ist es nur die die Vermeidung von Abfall oder noch mehr?

Für mich bezieht sich Zero Waste generell auf nachhaltige und vor allem zukunftsfähige Kreisläufe mit wenig Abfall bzw. Verlust von Rohstoffen. Es geht um eine gesellschaftliche Transformation im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele, damit unsere Enkel auch noch einen belebbaren Planeten mit lebenswerten Bedingungen vorfinden werden. Wir brauchen nachhaltige Abläufe in allen Bereichen, in der Politik, der Wirtschaft, der Arbeitswelt, der Zivilgesellschaft, im Konsum, im Transport. Wir sind alle verbunden und jede Handlung hat eine Auswirkung auf den Rest, manchmal vergessen wir das.

 

Warum braucht es eine qualitative Nachhaltigkeitsberatung, um Menschen für das Thema zu sensibilisieren?

Die meisten Menschen wollen gerne nachhaltiger leben und ihren Teil beitragen, wissen allerdings nicht so genau, wo sie anfangen sollen. Da setze ich gerne an und inspiriere die Menschen dazu, mit einfachen kleinen Veränderungen im Alltag einen großen Beitrag zu leisten und so nach und nach zu einem nachhaltigeren Lebensstil zu gelangen und so viele Menschen wie möglich in ihrem Umfeld dazu zu begeistern dasselbe zu tun. 

 


 

Du bist Zero-Waste Coach und führst in Workshops und durch Vorträge an das Thema Nachhaltigkeit heran. Welche Botschaft vermittelst du dabei?

Nicht jeder muss gleich alles machen, aber alle können etwas machen. Jeder kann für sich einen Bereich finden, in dem er nachhaltige Veränderungen einbauen kann, die ihm Spaß machen und zu seinem Lebensstil passen, und so nach und nach in diversen Bereichen nachhaltiger werden. Es bringt Spaß, immer neue Bereiche kennenzulernen und zu erkunden, man lernt enorm viel dazu und bekommt neue Blickwinkel auf Dinge. Im Umgang mit Freunden und Familie rate ich immer "Nicht missionieren, sondern inspirieren.” Glücklich und erfüllt mit gutem Beispiel voranzuschreiten wird die meisten Menschen dazu bewegen, von ganz alleine herausfinden zu wollen, was sich hinter dem allem verbirgt, das einen so bereichert und erfüllt. 

 

Warum ist ein Umdenken unseres Konsums so wichtig?

Unser derzeitiges Konsumverhalten wird dazu führen, dass wir in nicht allzu langer Zeit keinen belebbaren Planeten mehr haben werden und zukünftige Generationen, also unsere Kinder und Enkel, werden das ausbaden müssen und einen sehr hohen Preis dafür bezahlen. Natürliche Ressourcen werden komplett ausgeschöpft, sodass ihnen die Möglichkeit genommen wird, sich selbst zu regenerieren, es wird so viel Müll produziert, dass 2050 mehr Plastik als Fischbestand in den Ozeanen sein wird und wir drohen am Müll zu ersticken. Wälder werden gerodet, Böden werden mit Chemikalien verschmutzt, sodass sie uns keine gesunden Lebensmittel mehr liefern können, Gewässer und Ozeane werden so mit Chemikalien verschmutzt, dass Sie keinen Lebensraum mehr bieten und uns nicht mehr ernähren können, ohne Rücksicht darauf, was all dies in der Zukunft für uns bedeuten wird. Menschen produzieren unsere Konsumprodukte unter menschenunwürdigen Bedingungen zu Hungerlöhnen unter gefährlichen Bedingungen. All dies passiert jeden Tag im Namen des kurz gedachten schnellen und vor allem maximalen Profits. Würden wir mit eigenen Augen sehen, wie unsere Konsumgüter hergestellt oder entsorgt werden, würden wir es in den meisten Fällen nicht über das Herz bringen, sie zu kaufen, aber die Produktionsstätten sind weit entfernt von uns und Fokus darüber scheinen nicht real genug zu sein.

  

Geht Nachhaltigkeit in Bezug auf Konsum immer mit Verzicht einher?

Nachhaltiger Konsum stellt für mich eine Bereicherung dar und keinen Verzicht und das versuche ich den Leuten immer zu erklären. Man kann mit seinen alltäglichen Kaufentscheidungen jedes Mal seine Stimme abgegeben dafür, in was für einer Welt man leben möchte und dabei auf Nachhaltigkeit zu achten – und täglich meine Stimme abzugeben empfinde ich als Bereicherung. Ich wähle gerne dafür, dass die Produkte, die ich kaufe, meiner Gesundheit nicht schaden, lange halten, in der Herstellung richtig entlohnt wurden und bei der Produktion unser Lebensraum, die Umwelt nicht allzu sehr belastet wurde. 

 

 

Hast du konkrete Tipps, wie wir unseren Alltag nachhaltiger gestalten können? 

1. Bei Produkten von Einweg auf Mehrweg umsteigen. Zum Beispiel: Brotdose statt Plastiktüte, Jutebeutel statt Plastikbeutel, Trinkflasche statt Plastikflasche (mit Refill unterwegs kostenlos mit Wasser auffüllen lassen!), Bienenwachstücher statt Frischhaltefolie, Stoffservietten statt Papierservietten, Wattepads aus Baumwolle, Menstruationstassen oder Baumwollbinden.

 

2. Plastikprodukte meiden. Ganz konkrete z.B der Wechsel zu unverpackter Stückseife auf Pflanzenbasis. Dadurch ersetzt man ganz einfach etliche in Plastik verpackte Produkte aus dem Alltag, die oftmals Mikroplastik und andere schädliche Inhaltsstoffe beinhalten wie z.B. Duschgel, Haarshampoo, Rasierschaum, Spülmittel, Zahnpasta. Allgemein auf nachhaltige Kosmetikprodukte umsteigen.

 

3. Müll richtig trennen und recyceln. Dingen ein zweites Leben geben und weiterverkaufen oder verschenken über Online-Plattformen oder Flohmärkte.

 

4. Zu Ökostrom wechseln.

 

5. Biologisch abbaubare Haushaltsreiniger nutzen. Und bei Küchen- und Badezimmerutensilien darauf achten, dass sie aus nachhaltigen und biologisch abbaubaren Rohstoffen sind wie z.B. Holz oder Metall.

 

6. Einen Kontowechsel zu einer nachhaltigen Bank.

 

7. Öfter mal Leitungswasser trinken.

 

8. Kleidung auf Flohmärkten, Kleidertauschparties oder Online-Plattformen kaufen oder auf nachhaltige Modelabels umsteigen, denn Fast Fashion ist tödlich, für unsere Gesundheit, den Planeten und die Menschen, die sie herstellen.

Nicht alles muss neu sein, es gibt so viele Dinge bereits im Umlauf die noch in sehr gutem Zustand sind und oftmals auch kostengünstiger. Oder öfter mal Dinge ausleihen anstatt gleich kaufen, vor allem bei Produkten die man nur selten nutzt, Plattformen wie nebenan.de sind da super für. Kaputte Dinge können oftmals mit wenig Aufwand repariert werden.

 

9. Weniger tierische Lebensmittel konsumieren, deine Gesundheit und die Umwelt werden es Dir danken. Und bio-Produkte kaufen, gesünder für unsere Gesundheit nicht nur beim Verzehr, sondern auch im Hinblick auf die landwirtschaftlichen Abläufe. Bio-Höfe behandeln Böden und Gewässer besser als konventionelle von Pestiziden geprägte landwirtschaftliche Methoden.

 

10. Öfters mal auf dem Wochenmarkt einkaufen, dort ist es oftmals unverpackter, saisonaler und aus der Region, dass stärkt die regionale Wirtschaft und bedeutete kürzere Transportwege. Man kann sich bei vielen Bio-Höfe auch Ackerparzellen mieten, oder Biokisten liefern lassen, dann weiß man direkt woher die Lebensmittel kommen. Wir von Zero Waste Plant Power hatten dieses Jahr eine Ackerparzelle, in der wir über den Gemüseanbau aufgeklärt haben und beziehen eine ausschließlich regionale Biokiste.

 

 

Weitere Infos zu Marlena Sdrenkas Projekten findet Ihr unter:
www.zerowaste-germany.com und www.zerowasteplantpower.com

Hier findet Ihr Zero Waste Plant Power bei Facebook und bei Instagram

Zero Waste Germany findet Ihr hier bei Facebook  

 

 

Fotos: Spielbudenplatz, Laura Mitulla/unsplash.com, Sylvie Tittel/unsplash.com