Madeleine Miczi

Unter dem Motto „Großes davor, Schönes darunter“ hat die 38-jährige Madeleine Miczi die Rettung für Frauen mit großer Oberweite nach Hamburg gebracht. Bei „Curvy Shapes“ gibt es seit 2013 tolle Lingerie und Swimwear in Größen ab D aufwärts. Wir wollten wissen, was dahinter steckt…

 

Was hast du vor „Curvy Shapes“ gemacht?

Ich bin eigentlich gelernte Einzelhandelskauffrau für Damenwäsche, was ich vor gut 20 Jahren beim Karstadt in der Mönckebergstraße gelernt habe. Kurz nach der Ausbildung ging ich zu Tchibo und habe Filialen geleitet. Irgendwann habe ich einen Abstecher ins Büro gemacht, weil ich dachte, dass müsse ich mir mal anschauen. Aber schon nach sechs Monaten war klar: Das ist es gar nicht und bin zurück in den Verkauf als Filialleiterin zu Hunkemöller gegangen.

 

Und die Idee für den eigenen Laden kam wann?

Der Gedanke selbstständig zu sein war länger da. Ich habe schon immer überlegt, aber wusste nicht genau, in welche Richtung ich gehen möchte. Bei Hunkemöller ist mir immer klarer geworden, was fehlt: Es mangelt einfach am Angebot für große Größen. Ein Jahr vor der Eröffnung fing ich dann an, mich zu erkundigen und einen Businessplan zu schreiben.

 

War es schwierig, an die Location zu kommen?

Definitiv. Ich hatte damals schon gekündigt, weil ich bereits einen Laden am Mühlenkamp hatte. Zwei Wochen vor der Eröffnung sagte man mir plötzlich, dass ich dort doch nicht rein kann. Das Problem war, dass das Ganze nur per Handschlag besiegelt wurde, es gab nicht Schriftliches. Es war zu dem Zeitpunkt zwar noch nichts so richtig eingerichtet, aber ich hatte schon die Handwerker bestellt und wir hatten schon den Plan wie alles aussehen soll. Ich bin kurz in Panik ausgebrochen und konnte es nicht fassen. Aber dann habe ich meine Freunde und meinen Lebensgefährten aktiviert und wir sind dann einfach durch Hamburg gefahren und haben gesucht. Mein Mann hat gleichzeitig die Internetforen durchforstet und tatsächlich die Location gefunden. Dann musste es schnell gehen: Innerhalb von 14 Tagen wurde alles fertig gemacht, während ich hinten saß und mit den Vertretern gesprochen habe. Irgendwann hatte ich keine Stimme mehr und musste alles per Email regeln.

 

Standst du noch vor anderen Problemen?

Es war gar nicht so leicht an die Marken zu kommen. Das Konzept stand, aber es ist nicht so, dass man dort anruft und gesagt wird: „Schön, dass Sie da sind!“ Man muss wirklich hart kämpfen, damit sie überhaupt mit einem reden, denn man hat keinen Laden oder Namen, man ist nirgendwo eingetragen. Das war am Anfang ziemlich schwierig. Ich hatte dann Glück und zwei haben sich tatsächlich interessiert. Teilweise habe ich angefragt und bis heute keine Rückmeldung bekommen. Hauptsächlich führe ich jetzt englische Marken. Die britischen Frauen sind einfach mutiger, stehen zu sich selber und sagen: „Ich habe einen großen Busen und den möchte ich gut verpackt haben!“ Deswegen gibt es dort  auch so viel Auswahl.

 

 

Wie hat dein Umfeld reagiert, als du ihnen gesagt hast, dass du jetzt etwas Eigenes machst?

Bei meinen Eltern war zunächst schon etwas Skepsis da, obwohl sie selber selbstständig sind und eine eigene Firma haben. Oder vielleicht gerade deswegen. Sie wollten natürlich eine größere Sicherheit für mich. Aber ich denke die vermeintliche Sicherheit im Job gibt es einfach nicht und das musste ich ihnen erstmal erklären. Mittlerweile sind sie stolz, dass es so lange und vor allem auch so gut läuft. Wenig überrascht waren meine Freunde, weil ich immer darüber geredet habe. Sie haben sich auch riesig gefreut, dass ich es umgesetzt habe, weil sie größtenteils selber Arbeitnehmer sind oder noch studieren. 

 

Hattest du viel Hilfe von deinen Freunden?

Ja! Sei es von meinem Lebensgefährten, der mir von Anfang an Tag und Nacht zur Seite stand oder von Freunden. Es ist immer total süß, wenn sie nach Feierabend kommen und sagen: „Ich hab dir was zu essen gekocht“, weil sie wissen, dass ich dafür keine Zeit habe. Viele von ihnen sind auch genau meine Zielgruppe und kaufen hier ein, denn damit können sie mich unterstützen. Aber momentan suche ich noch eine Aushilfe, da ich vor allem am Wochenende den Service nicht mehr in der Form leisten kann, wie ich das gerne als Fachgeschäft möchte.     

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Du arbeitest also mehr als vorher. Ist das für dich auch stressiger?

Es ist anderer Stress. Jede Entscheidung, die ich hier treffe ist meine und ich muss dafür gerade stehen. Klar ist es manchmal so, dass ich müde bin und einfach nicht will. Ich wache mit dem Laden auf und gehe damit schlafen. Trotzdem ist es viel schöner. Morgens komme ich hier rein und entscheide mich, Blumen zu kaufen oder mir eine neue Firma anzuschauen. Es ist einfach besserer, positiverer Stress.

 

Vermisst du es, dass du weniger Freizeit hast?

Klar, das muss ich ganz ehrlich sagen. Man kann zum Beispiel bestimmte Geburtstage nicht mehr feiern und meine Eltern leben in Bayern. Da kann ich nicht so einfach mal hinfahren. Ich wäge auch häufig ab, mit wem ich mich treffe und mit wem nicht. Auf meinem Nachttisch liegt ein Bücherstapel, von dem ich drei Seiten gelesen habe. Nach so einem Tag kann ich mich oft nur noch nebenbei berauschen lassen. Dann setzte ich mich 20 Minuten in die Badewanne und will niemanden hören oder sehen, sondern nur die Gedanken fließen lassen.

 

Denkst du, dass man ein bestimmter Typ sein muss, um sich selbstständig zu machen?

Wichtig ist eine hohe Stressresistenz und strukturiertes Arbeiten. Natürlich muss man sich auch gut verkaufen können, um erst mal mit dem eigenen Konzept an Gelder zu kommen. Es geht nicht immer alles in großen Schritten voran, da hilft es, auch dankbar für die kleinen Dinge zu sein und sich trotzdem zu motivieren. Du bist der Einzige, der dir in den Hintern tritt. 

 

Hast du einen Tipp für Frauen, die sich selbstständig machen möchten?

Nur einen: Wenn du es willst, tu es. Man muss da einfach ins kalte Wasser springen.

 

 

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Fotos: Curvy Shapes