Louise v. Guionneau

und Charlotte Heid

Start-up mit Style: Louise v. Guionneau (24) und Charlotte Heid (23) sind seit 2016 der kreative Motor hinter dem jungen Taschen-Label „La Vaca“ (auf spanisch die Kuh). Im Interview verraten uns die beiden Designstudentinnen wie man aus Kuhfell ein nachhaltiges Fashion-Produkt kreiert und welche Eigenschaften man braucht, um sich mit einem eigenen Modelabel selbstständig zu machen…

 

Ihr seid das Designer-Duo hinter dem Taschenlabel „La Vaca“. Wie kam die Idee, Taschen aus Kuhfell herzustellen? 

Louise: Die Idee stammt ursprünglich von meinem Freund Leonard v. Schultzendorff. Er war eine längere Zeit auf Reisen durch Südamerika und entdeckte dort die vielseitig, kreative Verwendung von Kuhfellen. Das brachte ihn auf die Idee, dieses attraktive Material in Deutschland einzusetzen. Als wir uns kennenlernten, fing er gerade an, die Gürtel zusammen mit einer spanischen Lederwerkstatt in der Schanze zu fertigen, die für ihn dann auch einfache Taschenschnitte übernahmen. Das Ganze war damals noch in den Kinderschuhen. Leonard stand derzeit mitten im Jura-Staatsexamen und hatte die Idee schon fast wieder aufgegeben, als Lotte und ich ins Spiel kamen. Wir waren gleich Feuer und Flamme für das Projekt und auf Grund unseres Modedesign-Studiums konnten wir unkompliziert einsteigen. 

 

Was macht das Design von „La Vaca“ aus?

Louise: Die Idee mit den Taschen wurde von uns ausgebaut. Wir hatten die Möglichkeit, unterschiedliche Kreationen auszuprobieren und sie selbst umzusetzen. Da man als Modedesign-Studentin eigentlich zunächst keine Taschen näht, war dies für uns Neuland. Nachdem wir uns in der Taschenproduktion umgesehen hatten, machten wir uns mit Begeisterung an das Design neuer Entwürfe und stellten anschließend die Schnitte auf. Das Design ist sehr schlicht und reduziert. Es steht vor allem das Material, gefärbtes Kuhfell kombiniert mit Glattleder im Vordergrund. Farbigkeit und insbesondere knallige Farben machen uns aus. Die Taschenschnitte halten wir deshalb so schlicht, weil das Material an sich schon so extravagant ist. Das Tascheninnere ist aus Glattleder in einer überraschend anderen Farbe. 

 

 

Wie lange braucht ihr um eine Tasche fertigzustellen?

Charlotte: Für die kleinere Clutch brauchen wir nicht ganz so lange, vielleicht 1,5 Stunden, weil man die Kanten gut verarbeiten muss und das sehr zeitaufwendig ist. Für die großen Taschen brauchen wir dann dementsprechend länger – da sitzen wir dann schon mal 2-3 Stunden dran. Wir führen jeden Schritt bei der Herstellung selbst aus. Nur so können wir die gewünschte Qualität gewährleisten und auf die individuellen Wünsche unserer Kunden eingehen. Wir besuchen regelmäßig eine große Ledermesse in Mailand und suchen nach geeignetem Leder. Das ausgesuchte Kuhfell wird in einer kleinen italienischen Gerberei gefärbt und wir bestellen dann die gewünschten Farben.

  

„La Vaca“ entsteht in Handarbeit, das Leder kommt aus einer kleinen Gerberei im Norden Italiens? Wie wichtig ist euch der Aspekt Nachhaltigkeit?

Charlotte: Es ist uns wirklich wichtig, dass die Kuh für unsere Produkte nicht extra getötet wird, sondern dass wir die Felle als Nebenprodukt der Fleischindustrie erhalten. 

Louise: Wir grenzen uns ganz klar von Fashionprodukten aus gezüchteten Pelzen ab. Die Tiere, von denen unser Kuhfell stammt, lebten meist Freiland - da nur diese Tiere gutes Leder liefern. Tiere aus dem Stall stoßen sich zu oft und das merkt man an der Qualität des Leders. Wir arbeiten mit dem Fell, dem obersten und dem wertvollsten Bestandteil des Leders. Unser Ziel ist, einen besonderen und hochwertigen Wegbegleiter zu schaffen.    

 

 

Was wollt ihr mit „La Vaca“ erreichen? Wo geht es in der Zukunft hin?

Louise: Nach vielen Semestern intensivem Modedesignstudiums brennt man darauf festzustellen, ob man reell in der Fashionwelt etwas bewirken kann. Wir möchten auf jeden Fall etwas aufbauen, das langfristig auch jüngere Kunden anspricht und für sie erschwinglich ist. Deshalb ist unser Ziel, mittelfristig eine breitere Produktpalette anzubieten und die Besonderheiten von "La Vaca" in Design, Materialien und Herstellung noch besser zu erklären. Außerdem wollen wir uns auch an extravaganten Designs versuchen. 

Die Reaktionen, die wir auf Messen bis jetzt erhalten haben, waren grandios. Das Kuhfell und die Geschichte dahinter fasziniert die Leute.

 

Was bedeutet es, sich mit einer Marke selbstständig zu machen? 

Charlotte: Am schwierigsten war zunächst die Frage, ob sich der finanzielle Aufwand lohnt und ob sich wirklich Abnehmer finden. Wir haben natürlich erst mal etwas kleiner angefangen und nicht ganz so bunt. Zwischendurch gab es auch Flauten, wo keiner etwas kauft. Dazu kam der Stress in der Uni und das war natürlich am Anfang ein bisschen demotivierend. Da wir jede Tasche in Handarbeit selbst herstellen, ist das natürlich ein ganz schöner Aufwand, aber wir möchten auf keinen Fall in die „Fast-Fashion-Schiene" rutschen. 

Louise: Am Anfang denkt man vielleicht: „So eine Tasche in knalligem Orange?“ Aber bei den Kunden kommt sie an und wenn man sich passend dazu kleidet, wird die Tasche zu einem echten Eyecatcher. Viele Menschen kommen und fragen: „Darf ich mal anfassen?“. Bei den ersten Taschen, die bestellt wurden, haben wir in der Produktion oft gemerkt, dass uns noch manche Dinge fehlen. Wir hatten mal eine Tasche aus grünem Fell online mit mintfarbenem Futterleder. Dieses Leder hatten wir aus einem Restbestand in einer kleinen Gerberei aufgekauft. Der Bestand war schnell aufgebraucht und anschließend hatten wir natürlich Lieferschwierigkeiten. Solche Anfängerfehler passieren, aber an diesen Fehlern wächst man. 

 

 

Wie sind die Reaktionen auf „La Vaca“? 

Louise: Es gab sehr viele positive Reaktionen. Viele Kunden streichen gerne über die Taschen und bauen zum Produkt eine persönliche Bindung auf.

Die Klarheit der Kollektion, die aus einer übersichtlichen Zahl an Modellen und Farben verfügt, überzeugt die Kunden und führt zu einer schnelleren Entscheidung.

Die meisten Kunden, sind spontan angetan von den schrillen Farben, der natürlichen Haptik des Produktes, sowie dem schimmernden, exklusiven Look des Felles.

Deswegen sind Ausrufe wie: „Wow, wie cool „ oder „die muss ich haben“ nicht selten.

Charlotte: Wir haben auf Ausstellungen festgestellt, dass die Präsentation der bunten Taschen und Gürtel eine regelrechte Sogwirkung auf die Kunden hat und dass sobald eine maßgebende Kundin eine Tasche oder einen Gürtel erstanden hat, sich das Produkt zu einem „must-have“ entwickelt.

 

Welche Tipps habt ihr für junge Designer und Kreative, die mit der Idee der Selbständigkeit spielen? 

Charlotte: Ich glaube, das Wichtigste ist wirklich, sich einfach zu trauen. Dass man den Mut hat, ins kalte Wasser zu springen und es einfach auszuprobieren. Und wenn es nicht gleich losläuft, muss man eben seine Idee ändern, oder sich zum Beispiel anfangs von stillen Teilhabern unterstützen zu lassen. Vor allem in Bereich der Accessoires ist der Risikofaktor glücklicherweise ein wenig geringer.

Louise: Es ist wichtig, dass man zu seinen Produkten steht. Unsicherheit ist absolut fehl am Platz. Man muss morgens aufstehen und überzeugt sein. So ein Start-up verlangt Durchhaltevermögen.

 

 

Mehr Infos zur "La Vaca" bekommt Ihr unter: www.la-vaca.de

 

 

 

 

 

Redaktion: Lena von Zabern; Fotos: La Vaca