Larissa Heimbach

Echter Tausendsassa: Larissa Heimbach ist nicht nur Musicaldarstellerin, Schauspielerin und Stylistin, sondern vertreibt auch unter ihrem Schmucklabel „Travel Tales Jewelry“ handgefertigten Silberschmuck aus Bali. Im Interview sprechen wir mit der 28-jährigen Wahlhamburgerin über die Faszination Bali, finden heraus, wie auch kleine Labels zu Nachhaltigkeit und Fairness beitragen können, und lassen uns verraten, was die beste Medizin gegen Fernweh ist …

 

Mit „Travel Tales Jewelry“ hast du 2017 dein eigenes Schmucklabel gegründet, das Silberschmuck aus Bali vertreibt. Wie kam es dazu? 

Eigentlich habe ich schon immer gern gebastelt und gemalt. Meine Mama ist selbst Künstlerin und hat ein Atelier, das war damals also das Paradies für mich und meine Schwestern. Ich liebe es außerdem auf Märkten zu verkaufen, schöne Dinge zu verpacken und andere Menschen glücklich zu machen. 

Seit 2013 war ich ein bis zweimal im Jahr auf Bali und habe dort oft an Silberschmuck-Klassen teilgenommen. Mein erster Ring war der mit der Welle, dann einer mit eingefassten Steinen. Ich habe aber schnell gemerkt, wie schwer das ist. Nicht ohne Grund gibt es eine Ausbildung als Silber- und Goldschmied. Daher habe ich mich dazu entschieden, jemanden zu suchen, mit dem ich zusammenarbeiten möchte. Als ich dann 2017 auf Bali war, habe ich angefangen mit einigen Silberschmieden Kontakt aufzunehmen und habe so Putu kennengelernt.

 

Was steckt hinter dem Namen „Travel Tales Jewelry“?

Am Anfang überlegt man sich natürlich viele verschiedene Namen, probiert aus und wirft Wörter hin und her. Man fragt viele Freunde und Bekannte nach deren Meinung und Ideen und ich wusste nur, dass es etwas mit Reisen zu tun haben sollte. Am Ende hat mir dann meine beste Freundin Lynn die Idee zu "Travel Tales" gegeben. Wie der Name schon sagt, versucht der Schmuck kleine Geschichten vom Reisen zu erzählen.

Der Name gibt mir außerdem die Möglichkeit, auch verschiedene Kollektionen aus anderen Ländern aufzunehmen, wie die limitierte Auswahl der Ringe aus Indien zum Beispiel.

Sri Lanka und Marokko stehen auch noch auf meiner Liste, aber Bali bleibt natürlich das Herz des Labels.

 

Was fasziniert dich so an Bali und welches Gefühl möchtest du deinen Käufern mit deinen balinesischen Kreationen mitgeben?

An Bali fasziniert mich die Kultur, die Menschen und das Lebensgefühl. Ich habe mittlerweile eine Bali-Familie dort, und jedes Mal wenn ich zurückkomme, fühlt es sich an wie mein zweites Zuhause. Man fühlt sich freier und unbeschwert. Die Menschen sind so nett und gastfreundlich. Klar, nicht ausschließlich aber das ist ja in jedem Land so. Manchmal nerven mich die Touristen in Hamburg auch.

Immer wenn ich auf Reisen bin, will ich das Gefühl, das ich dort habe, mit nach Hause nehmen. Dass das in einem drin passieren muss und nicht mit materiellen Dingen, weiß ich natürlich. Trotzdem kann es dann mal passieren, dass ich, zur „großen Freude“ meines Freundes, erstmal 100 Traumfänger kaufe. Oder Besteck mit goldenen Palmen.

Oder Stoffe, Makramees, Kissenbezüge... Meine Freunde sagen oft, es ist wie ein kleines Bali bei mir zu Hause. Und genau das möchte ich mit meinem Label erreichen.

Ich möchte, dass man beim Öffnen des Pakets oder beim Tragen des Schmucks ein Urlaubsgefühl bekommt und sich vielleicht auch im Alltag immer wieder in die Ferne träumen kann. Denn nicht jeder hat die Zeit oder Möglichkeit, immer mal wieder wegzufahren, und gegen das Fernweh hilft der ein oder andere Ring bestimmt. Man kann es zumindest versuchen.

 

 

Neben deinem eigenen Label arbeitest du als Schauspielerin und Musical-Darstellerin. Wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu bringen? 

Das ist eine gute Frage. Manchmal weiß ich das selbst gar nicht genau. Ich arbeite ja auch oft noch als Style-Assistenz oder Stylistin für Werbedrehs.

Ich habe aber gemerkt, dass das mehrgleisig Fahren einem den Druck nimmt, von einer Sache seine Miete bezahlen zu müssen. Das gibt allem ein bisschen mehr Leichtigkeit und Freude. 

Dadurch wird es kein Label, das ausschließlich darauf ausgelegt ist, Gewinn zu machen, sondern es stehen andere, wichtige Dinge im Vordergrund.

Im Moment bin ich jedes Wochenende auch noch mit zwei Musicals auf Tour, da ist das manchmal schwer mit dem Versand der Bestellungen. Auch die Designmärkte, die ja oft samstags und sonntags sind, müssen im Moment leider noch auf uns verzichten. 

All das macht aber so viel Spaß, dass ich das um nichts in der Welt eintauschen würde.

 

Hast du ein ganz bestimmtes Lieblingsschmuckstück aus deiner eigenen Kollektion? 

Puh, das ist schwer zu sagen. Das ändert sich sehr oft. Leider hat man ja auch nur 10 Finger. Der "Wave"- und "Shell"-Ring sind natürlich nicht nur die Favoriten meiner Kundinnen, sondern auch meine Favoriten. Welchen ich aber fast jeden Tag trage, ist der "7 Set"-Ring. Der lässt sich sogar mit meinem Verlobungsring kombinieren.

 

Du arbeitest mit dem balinesischen Silberschmied Putu zusammen. Wie genau läuft Eure Zusammenarbeit ab und welche Schritte hat ein „Travel Tales Jewelry“-Schmuckstück hinter sich, wenn es seine Trägerin in Hamburg erreicht?

Ich bin ein echter Glückspilz, dass ich Putu gefunden habe. Er ist ehrlich, zuverlässig und sehr gewissenhaft. Wir telefonieren sogar einmal pro Woche. Er hat das Silberhandwerk von seinem Vater gelernt. Außerdem arbeitet er mit zwei Familien zusammen. Jeder seiner Mitarbeiter hat ein Spezialgebiet, der eine ist für die Ringe mit den Steinen und Muscheln zuständig, der andere für die schlichteren Designs.

Auf Bali suche ich immer nach schönen neuen Ringen. Mit Putu gehe ich Steine kaufen und dann überlegen wir, welches Design wir damit machen könnten. Den Wellenring z.B. habe ich natürlich nicht erfunden. Trotzdem wird immer wieder etwas verändert, es gab ihn schon mal grober und filigraner, da wird verschiedenes ausprobiert. Manchmal merkt man auch, ein Ring funktioniert nicht so, wie man es sich ausgedacht hat, und nicht immer finden alle anderen auch meine Lieblinge genauso gut wie ich. Es gibt zum Beispiel auch ein Design, das ich persönlich ziemlich langweilig finde, welches aber bei den Kunden unglaublich beliebt ist.

Zunächst macht Putu von jedem Ring eine Vorlage, ich überlege mir dann in welchen Größen und in welcher Anzahl ich das Modell brauche, und seine Mitarbeiter fangen daraufhin an, diesen herzustellen. Ich durfte auch schon öfter mal mitarbeiten, aber lieber schaue ich Putu zu, der kann das schneller und natürlich viel besser als ich. 

Wenn die Bestellung vollständig ist, macht sie sich auf den Weg nach Hamburg. Dort ist sie bei Merijula und bei Inferno Ragazzi erhältlich, in Berlin bei Hallo Herz und natürlich online in meinem kleinen Shop. 

 

 

Durch die enge Zusammenarbeit mit Putu und dessen Familienunternehmen unterstützt du das lokale Gewerbe auf der Insel. Wie wichtig sind dir die Themen Nachhaltigkeit und Fairness?

Indem ich all den Schmuck von Putu und seinen Mitarbeitern herstellen lasse, unterstütze ich seine Arbeit und das Kunsthandwerk des Silberschmiedens, welches oft über Generationen hinweg weitergegeben wird. Auf einer Insel wie Bali, auf der der größte Teil der Einheimischen vom Tourismus lebt, ist es schön, wenn auch so traditionelle und kreative Berufe wie dieser gefördert werden können. 

Am Herzen liegt mir vor allem, dass ich Putu und seine Mitarbeiter fair bezahlen kann. Der Mindestlohn auf Bali liegt bei ca. 120 Euro im Monat, und das kann ich durch mein Label zum Glück weit überbieten. Außerdem versuche ich, meine Verpackung so plastikfrei wie möglich zu halten. Ein bewusstes Bestellen ist mir auch sehr wichtig, und keine Pakete mit 20 Ringen, von denen man dann 19 wieder zurückschickt. Jeder Kunde soll genau wissen wie, wo und von wem sein Schmuck gemacht wird. Im Moment bin ich in Kontakt mit den zwei Gründerinnen von „Bye Bye Plastik Bags Bali“. Eine der beiden, Isabel, habe ich vor vier Jahren schon persönlich kennengelernt. Ich möchte gern einen Teil der Einnahmen einiger Ringe an diese Organisation spenden. Wie genau das im Detail dann aussehen wird, kann ich hoffentlich bald erzählen. 

 

Was hat dir bei der Gründung deines eigenen Labels Mut gemacht und auf welche Schwierigkeiten bist du gestoßen? 

Meine Eltern haben mir auf jeden Fall Mut gemacht. Die unterstützen mich bei fast jeder Idee, die ich bisher hatte. Außerdem meine Freunde, die alle ihre Ringe spazieren tragen und oft das ein oder andere Fotoshootings über sich ergehen lassen mussten.

Leider bin ich auch ziemlich unbegabt, was das Sticker- und Flye- Designen betrifft, da habe ich aber zum Glück eine ganz tolle Freundin, die das immer für mich macht.

Und für meine Kooperationen auf Instagram bin ich sehr dankbar. Da Leute zu finden, die wirklich den Schmuck gut finden und nicht einfach nur was umsonst haben wollen, ist auch nicht immer so leicht.

Schwierigkeiten gibt es ja überall. Sonst wäre es ja auch langweilig. Erst bei meinem letzten Bali-Trip hatten Putu und ich uns missverstanden und schon waren ein Teil meiner Bestellung, 600 Ringe, etwas anders, als sie sein sollten. Nachdem wir beide für einen Moment völlig verzweifelt waren, haben wir das Beste draus gemacht und einige Wochen später kamen die Ringe dann per Post zu mir.

 

Wo soll die Reise mit „Travel Tales Jewelry“ noch hingehen? Gibt es konkrete Pläne für die Zukunft?

Einen genauen Plan gibt’s da gar nicht. Natürlich will man gern wachsen und bekannter werden, aber ich glaube, das kommt bestimmt alles wie es kommen soll. Ich wünsche mir für 2019 ganz viele Märkte, auf denen ich verkaufen darf, und tolle Menschen, die meinen Schmuck tragen. Und dass irgendwann mal eine Zeitschrift meinen Schmuck als Must-have des Monats bezeichnet, das wäre doch auch ganz nett;)

Außerdem will ich gern noch ein oder zwei weitere kleine Shops in Deutschland finden, die gern „Travel Tales Jewelry“ verkaufen.

Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich so gern einen kleinen Laden eröffnen, aber das ist im Moment noch Träumerei. Vielleicht ja irgendwann...

 

 

Mehr Infos über Larissa und „Travel Tales Jewelry“ findet Ihr unter www.traveltales-jewelry.com.

 

Außerdem könnt ihr den Silberschmuck auch auf www.merijula.com 
und unter www.infernoragazzi.com erstehen. 

 

Hier findet Ihr Travel Tales Jewelry bei Facebook und bei Instagram

 

Fotos: PR