Kristina Kaba

Sie macht sich stark für die Schwächsten in unserer Gesellschaft! Mit ihrem Projekt „Refuburg“ gibt Kristina Kaba Flüchtlingen eine Stimme und wurde am 7. April für ihr ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge sogar von Angela Merkel gewürdigt. Im Interview erzählt die 29-Jährige uns von ihrer Arbeit in ihrer Initiative, den damit verbundenen Menschen und ihren Plänen für die Zukunft …

 

Was hat dich auf die Idee gebracht „Refuburg“ zu gründen?

Als im Sommer 2015 die Flüchtlingskrise ihren Höhepunkt fand, hatte ich den Drang „etwas“ zu tun. Ich wollte mich ehrenamtlich einbringen – aber mir war zu dem Zeitpunkt noch nicht klar, wie. Ich habe dann das Gespräch mit ehrenamtlichen Flüchtlingsbegleiterinnen gesucht und so herausgefunden, was überhaupt gebraucht wird. Schnell kamen die Themen Arbeitsmarkt und berufliche Integration auf den Tisch. Daran habe ich mich orientiert und mit Hilfe meines Teams innerhalb kürzester Zeit „Refuburg“ gegründet und das erste Profil online gestellt.

 

Wie funktioniert „Refuburg“?

Wir sind ein Team aus Medienschaffenden aus Hamburg – es engagieren sich u.a. PR-Berater, Journalisten, Fotografen, Regisseure. Wir stellen Geflüchtete aus Hamburg und Umgebung in Form von hochwertigen journalistischen Portraits auf unserer Seite vor. Dabei legen wir neben der Fluchtgeschichte einen großen Schwerpunkt auf den beruflichen Werdegang des Menschen – als was hat er in seinem Heimatland gearbeitet, wie lange ist er zur Schule gegangen? Aber wir beleuchten auch den Menschen und sein neues Leben hier und zeigen auf, wie er sich integriert und ob er z.B. ehrenamtlich in einer Kleiderkammer oder Fahrradwerkstatt arbeitet. Unser Ziel ist es, den ganzen Menschen abzubilden. Warum? Weil viele der Menschen, die in unser Land kommen weder über Schul- noch über Arbeitszeugnisse verfügen. Dadurch haben sie in deutschen Unternehmen einen schweren Stand, denn sie können nicht nachweisen, dass sie tatsächlich etwas gut können oder über langjährige Berufserfahrung verfügen. Mit unseren Profilen sprechen wir dann gezielt unser Unternehmensnetzwerk an und versuchen denjenigen in ein Praktikum, eine Ausbildung oder sogar eine Anstellung zu vermitteln.

 

Was verbindet dich mit deinem Projekt?

Ganz klar die Menschen! Einerseits ist es toll mit Kollegen zusammenzuarbeiten, die sich für den guten Zweck genauso gern einsetzen wie ich, andererseits lerne ich durch meine Arbeit und die Profile jedes Mal einen neuen interessanten Menschen kennen. Manchmal werden daraus sogar Freundschaften. Wenn wir am Ende dann noch Vermittlungserfolg haben ist es die Belohnung für viel Arbeit und der eigentliche Sinn, warum wir das tun.

 

Wie kommt das Projekt bei den Flüchtlingen und in der Arbeitswelt an?

Sehr positiv auf beiden Seiten. Die Unternehmen sind erstaunlich offen gegenüber unserem etwas „anderen“ Lebenslauf und gerade dadurch konnten wir bereits erfolgreich Menschen in Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse vermitteln. Bei den Geflüchteten kann man es nicht pauschal sagen – da ist das Zwischenmenschliche entscheidend und das variiert natürlich von Mensch zu Mensch. Es geht bei den Interviews immer wieder um gegenseitiges Vertrauen und das müssen wir uns bei jedem neuen Profil immer erst erarbeiten.

 

 

In deinem Projekt arbeitest du eng mit Menschen zusammen, gab es für dich besonders prägende Situationen?

Davon gab und gibt es viele – jeder Mensch bringt seine eigene, besondere Geschichte mit. Besonders, wenn ich einen Menschen eine längere Zeit über begleitet und eine Beziehung aufbaue, erlebe ich immer wieder prägende Situationen – meistens sind sie aber positiv und stärken mich in meiner Toleranz anderen Kulturen gegenüber. Besonders berührt hat mich Khaled aus Syrien, den wir im Sommer vergangenen Jahres in ein Arbeitsverhältnis vermitteln konnten. Er war als Überraschung bei meiner standesamtlichen Trauung. Er brachte seinen Freund und Sänger Mohammad mit, der uns ein arabisches Liebeslied sang – das war seine Art, „Danke“ zu sagen und es hat mich sehr berührt.

 

Welche Geschichten der Flüchtlinge haben dich besonders bewegt?

Das kann ich so pauschal nicht sagen, denn jede Geschichte ist für sich betrachtet sehr bewegend. Aber es gibt Menschen, die erzählen mehr und andere weniger. Und wenn mir jemand im Gespräch so sehr vertraut, dass er mir auch von den schlimmen Erlebnissen in seiner Heimat oder auf seiner Flucht erzählt, berührt mich das. Das betrachte ich als großes Privileg.

 

Welche Erfolge konntet ihr schon mit dem Projekt verbuchen?

Für uns ist der größte Erfolg, wenn wir Menschen in Anstellung oder Ausbildung vermitteln können – wie z.B. Khaled, der bei der Stadtreinigung Hamburg angestellt ist oder Wassim, der bei Saturn in Bergedorf eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann macht. Ein weiterer Erfolg ist die diesjährige Ehrung der Initiative durch Bundeskanzlerin Angela Merkel vom 7. April 2017. Dadurch haben wir viel Aufmerksamkeit bekommen. Gleichzeitig erhöht das wiederum die Chancen auf Jobs für unsere Jungs und Mädels deutlich.

 

Wie schaffst du es Privatleben, Arbeit und Ehrenamt unter einen Hut zu bekommen?

Das geht nur mit viel Leidenschaft und einem Ehemann, der mich und meine Arbeit unterstützt. Da habe ich wirklich großes Glück!

 

Welche Pläne hast du zukünftig für deine Initiative?

Ich würde gern mit Hilfe von Spenden und Förderungen „Refuburg“ auf professionelle Beine stellen und noch mehr in dem Bereich tätig sein. Dadurch könnte ich eine gewisse Regelmäßigkeit der Profile und der Vermittlungsarbeit garantieren, was durch den ehrenamtlichen Aspekt manchmal etwas leidet. Großartig wären auch feste Partnerschaften mit Unternehmen für Praktika und anschließende Ausbildung.

 

Alle Infos zu "Refuburg" bekommt Ihr unter: www.refuburg.com

 

Hier findet Ihr "Refuburg" bei Facebook und bei Instagram

 

 

Fotos: Refuburg, Jan Brockmann, Tom Rölecke, Anne Neumann; Redaktion: Susanna Sapiains Valencia