Imke Dohmen

Mütter brauchen manchmal wirklich Superkräfte! Deshalb bietet Imke Dohmen mit  „Mutterhelden“ ein Coaching-Programm an, das Mamas stark macht für den stressigen Alltag und ihnen hilft, schwierige Situationen zu meistern. Im Interview verrät uns die 41-Jährige, die selbst Mutter von zwei kleinen Töchtern ist, wie das Coaching abläuft, warum es manchmal sinnvoll ist, sich bei Problemen externe Hilfe zu holen, und wie sich die Rolle als Mama in den letzten Jahren verändert hat…

 

„Mutterhelden“, was können wir uns darunter vorstellen?

Mit Mutterhelden meine ich jede Mutter, alle Mamas sind Heldinnen. Nur leider verlieren wir im Alltagschaos oft die eigene Zuversicht, das Gefühl zur eigenen Stärke und zu unseren eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Mit meinem Coaching und Vorträgen möchte ich Mamas dabei helfen, ihre Heldenpower wieder zurück zu gewinnen. 

 

Wie bist du auf die Idee gekommen „Mutterhelden“ ins Leben zu rufen?

Ich hatte eine eher anstrengende zweite Schwangerschaft und Babyzeit. Mir ging es damals so gar nicht gut. Ich bekam keinen Schlaf, hatte eine dreijährige Tochter mitten in der Trotzphase und ein Schreibaby auf dem Arm. Alles war mir zu viel und ich habe mich kraft- und hilflos gefühlt. Ich merkte, wenn ich nicht bald Hilfe finden würde, würde ich zusammenbrechen und so fragte ich meinen Hausarzt um Rat. Seine Antwort machte mich allerdings noch wütender (Frau Dohmen, das sind die Hormone, das geht schon wieder weg).

Mit der freigesetzten Energie, die diese Wut auslöste wurde ich dann aktiv. Ich fing an zu recherchieren, was man für Ausbildungen braucht, um genau das Angebot zu erstellen, mit dem man Mamas kurzfristig und lösungsorientiert unterstützen kann. Das war die Geburtsstunde von „Mutterhelden“.

 

Für wen sind deine Angebote geeignet?

Für jede Mama, der es gerade einfach nicht gut geht – ob aus Überforderung mit der Mamarolle, Unzufriedenheit, weil man sich selbst nicht mehr fühlen kann, ratlos mit der Trotzphase des Kindes, angespannte Nerven durch ständigen Geschwisterstreit, ein Geburtstrauma, was einen nicht loslässt, diverse Partnerschaftskonflikte, die den Alltag belasten und noch so vieles mehr. Die Sorgen und Herausforderungen mit denen wir Mütter uns täglich auseinandersetzen sind mannigfaltig. 

 

 

Wie läuft das Coaching ab?

Im ersten Gespräch erfrage ich ganz viel über die Person, welche mir gegenübersitzt. Ich bin am ganzen Menschen interessiert und das umfasst eben auch einen groben Einblick in die Vergangenheit. 

Wie wir Dinge erleben und was wir aus Herausforderungen machen, sind über Jahre einstudierte Verhaltensweisen. Während die eine sehr klar in ihrer Reflektion ist und sich selber sehr gut einschätzen kann, hat die nächste sich vielleicht schon in der Pubertät an unterschiedlichen Werten und Anforderungen verloren.

Nach diesem ersten Kennenlernen bringe ich zur nächsten Stunde unterschiedliche Ideen mit, wie wir an die derzeitige Situation herangehen können. 

Es gibt über die systemische Therapie eine ganze Bandbreite an Werkzeugen und für jede Mama passt etwas anderes. Das Coaching ist sehr individuell, aber alle Wege haben eines gemeinsam, sie sind an Lösungen interessiert und nicht am Problem.

 

Warum ist ein Mutter- bzw. Eltern-Coaching durchaus sinnvoll?

Wer es bis zum Elternsein geschafft hat, sich nie mit sich und seinen Grenzen, seinen Bedürfnissen und seinen Werten auseinander zu setzen, kommt genau bis dahin – bis zum Elternsein. Kinder und das Familienleben bringen uns täglich an unsere Grenzen. Wir reagieren in manchen Situationen mit Wut, Hilflosigkeit, Unzufriedenheit oder vielleicht auch mit Aggressionen. Wir streiten und schimpfen, wir schreien und meckern, sodass wir abends im Bett liegen und denken – „so wollte ich nie werden“, „Ich kann mich schon selber nicht mehr hören“, „Ich möchte eine liebevolle und verständnisvolle Mama sein und nicht immer nur motzen“.

In einem Mamacoaching finden wir zusammen heraus, was die Mama braucht. In gemeinsamen Stunden finden wir die eigenen Stärken, die Kraftorte und auch die Bedürfnisse raus – außerhalb der Stunden gebe ich oft eine Art „Hausaufgabe“ mit, damit die Mama Zeit zur eigenen Reflektion findet oder auch, um mal etwas ganz anders als bisher zu machen.

 

Die Rolle der Mutter hat sich im Laufe der Jahre deutlich verändert, was bedeutet das für die heutigen Mamas?

Unsere Generation hat es nicht leicht, die Medien, die Freundinnen, fremde andere Mütter sind nur einen Handygriff entfernt. Es wird verglichen, gegoogelt, bewertet, geurteilt. Ich beobachte leider häufig, dass sich Mütter gegenseitig das Leben schwermachen, obwohl doch alle im selben Boot sitzen und irgendwie danach streben Wertschätzung zu erfahren durch das was man macht und emotionale Verbundenheit zu spüren mit seiner Familie und seinen Freunden.

Außerdem stehen Frauen heute eben oft vor dem Spagat Familie, Freunde und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Etwas nicht zu mindestens 100% zu machen, fällt ihnen schwer. Etwas auch mal unerledigt zu lassen, kriegen sie mit sich nicht vereinbart, der Anspruch an sich selbst ist wahnsinnig hoch.

Bei all dem was erledigt werden muss, bleibt eines auf der Strecke – die Mama selbst!

 

 

Was ist das Hauptproblem bei der Kindererziehung?

Wir haben bis zu unseren Kindern, in einer erwachsenen dominierten Welt gelebt. Wir haben mit Erwachsenen kommuniziert, wenn wir etwas sagten, wurden wir verstanden.

Und dann kommt das erste Kind und man denkt „das muss es doch verstehen?“ Spätestens da sehe ich das Hauptproblem. Wir haben zu wenig Verständnis für unsere Kinder. Wir erwarten oft zu viel von ihnen. Dabei reden wir von Kindern und nicht kleinen Erwachsenen. Kinder brauchen nicht nur Zeit um Groß zu werden, sie brauchen auch Zeit und die Geduld der Eltern, um im Gehirn zu wachsen. 

Ich bin mir sicher, wenn Eltern sich mehr mit der Entwicklung eines kindlichen Gehirns beschäftigen, werden sie automatisch ihre Kinder anders, wertschätzender und liebevoller begleiten. Bis das Gehirn eines Kindes ausgereift ist, mit allem was es für das Leben lernen muss, ist es 25 Jahre alt. Wir sollten ihnen diese Zeit geben.

 

Kannst du uns einen Alltagstipp für stressige Situationen geben?

Druck erzeugt Gegendruck, ich würde jeder Familie empfehlen den Druck aus vielen alltäglichen Dingen zu nehmen, und wieder mehr bei sich zu bleiben – sich zu hinterfragen, sich einschätzen lernen.

 

Wo gehst du in Hamburg gerne mit deinen Kindern hin?

Wir lieben das Niendorfer Gehege, zum Reiten, zum Fahrradfahren oder um auf den Spielplatz zu toben. Die Atmosphäre im Wald, fern von allem Lauten und Unruhigem, tut unserer Familie immer gut zum Abschalten und Entspannen. 

 

 

Alle Infos zur "Mutterhelden" findest Ihr unter: www.mutterhelden.de

 

Hier findet ihr "Mutterhelden" bei Facebook

 

 

Fotos: Oliver Reetz (1), Unsplash.com (2)