Anne Lemcke

Die Mischung macht’s! Mit „Ankerkraut“ leitet Anne Lemcke eines der erfolgreichsten deutschen Gewürz Start-ups. Wir sprechen mit der Mutter zweier Kinder über Arbeitsteilung im Familienunternehmen und Gänsehautmoment bei „Die Höhle der Löwen“. Außerdem finden heraus, mit welchen Rollenklischees die 40-Jährige im Job konfrontiert wird und – was man dagegen tun kann…

 

Anne Lemcke Ankerkraut

  

Zusammen mit deinem Mann Stefan leitest du mit „Ankerkraut“ eines der erfolgreichsten deutschen Start-ups. Wie kamt ihr auf die Idee, gerade Gewürzmischungen zu verkaufen? 

Stefan war schon lange in der digitalen Welt unterwegs und dort ja auch erfolgreich selbstständig. Er hatte aber schon immer den Wunsch, ein „echtes“ Produkt herzustellen, das man anfassen, fühlen, schmecken und riechen kann. 2013 war es dann soweit - nach ein paar verworfenen Ideen (wie Hundehütten und Kinderspielzeug) kamen wir auf das Naheliegende: Gewürze. 

Stefan hat von Natur aus und durch seine frühkindliche Prägung in Afrika einen besonders ausgeprägten Geruchs- und Geschmacksinn. Sein Vater war Entwicklungshelfer in Tansania und Sambia und als kleiner Junge hat er gerne mit dem Koch der Familie eingekauft und tolle Speisen zubereitet. Außerdem liebt er es, zu kochen, und die Produkte auf dem deutschen Markt hatten ihn schon lange nicht mehr zufrieden gestellt. Wir entschlossen uns, aus der Not und der Befähigung eine Tugend zu machen, und wagten uns auf den – eigentlich gesättigten – Markt.

 

Was steckt hinter dem Namen „Ankerkraut“? 

Ganz ehrlich: Am Ende Zufall. Wir haben hin- und her überlegt, wie wir das Baby nennen wollen, haben lange Listen aufgestellt, abgewogen, gecheckt und aussortiert. Etwas „richtig Tolles“ war aber nicht dabei. Dann hat Stefan sich eines Abends neue „coole Produktnamen“ überlegt. Am nächsten Morgen kam ich in Stefans Büro bzw. in die „Produktion“ (damals war ja alles noch eins). Eines der Muster trug den Namen „Ankerkraut“… ich sagte „WOW Stefan, DAS ist es!“. Ich hatte direkt das sichere Gefühl, dass die Mischung aus „maritim“, „Produktbezug“ und „Coolness“ passt. Stefan checkte sofort Domains und Markenrechte. Der Rest ist Geschichte. Ankerkraut ist eigentlich ein Fantasiename, mit etwas Googeln findet man aber ein paar weitere Bedeutungen – etwa bei „World of Warcraft“.

 

Bekannt geworden ist „Ankerkraut“ außerdem durch die erfolgreiche Teilnahme an der Vox Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“. Was war das für ein Gefühl, Investoren vor laufender Kamera Eure Geschäftsidee zu pitchen? 

Wir waren wirklich super aufgeregt. Viele glauben, dass das irgendwie gescripted ist. Ich kann das nicht bestätigen. Es ist nicht gestellt. Ich weiß es noch wie heute, dass wir vor der Tür, die in die „Höhle“ führt, abgestellt wurden, um uns bereit zu machen. Ich konnte die „Löwen“ durch den Türspalt sehen und mein Reflex war es, einfach nur wegzulaufen.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass die ersten zwei Minuten sehr aufregend waren. Aber die ganzen Kameras sind sehr gut versteckt und insbesondere Ralf Dümmel hat mir ein echt gutes Gefühl gegeben: Er saß in der Mitte und hat uns die ganze Zeit angelächelt. Da habe ich mir gesagt und gewusst: „Anne, alles ist gut!“.

 

 

Was unterscheidet „Ankerkraut“ von anderen Gewürz-Unternehmen?

Wir geben unserer Marke ein Gesicht, sind 100 Prozent transparent und lassen unsere Kunden gerne mitentscheiden. Außerdem sind uns nicht nur höchste Qualitätsansprüche bei den Rohstoffen wichtig, sondern auch, dass unser Produkt auch „wunderhübsch“ ist. Geschmack und Optik – diese Kombination macht uns aus. Zumindest für letzteres bin ich direkt mitverantwortlich.

 

Du bist nicht nur erfolgreiche Unternehmerin, sondern auch Mutter zweier Kinder. Welche Klischees über Karrierefrauen kannst du mittlerweile nicht mehr hören?

Tja, ehrlich gesagt ganz viele. Zunächst möchte ich aber klarstellen, dass ich mich gar nicht als Karrierefrau sehe. Ich arbeite in einer erfolgreichen Firma und bin quasi von Anfang an dabei. Aber viele Frauen arbeiten neben ihrem Job als Mutter. Ich sehe mich da ehrlich gesagt nicht als etwas Besonderes, sondern als ganz normal an. Der Unterschied mag darin liegen, dass ich mit dem Erfolg von Ankerkraut auch beruflich erfolgreich bin.

Ein paar beispielhafte Klischees, die ich mir im Laufe der Zeit anhören musste: „Was machst du denn hier – auf einer Abendveranstaltung – solltest du nicht Zuhause bei deinen Kindern sein?!“ oder: „Das wird dir, wenn die Kinder Teenager sind, um die Ohren fliegen!“

Wobei man sagen muss, dass die meiste Kritik, die ich erfahre, von Frauen kommt. Das verwundert mich, denn eigentlich sollten wir Frauen uns doch gegenseitig unterstützen. Ich bin übrigens auch generell dagegen, in Rollenklischees zu denken und zwar sowohl privat, als auch beruflich. Jeder sollte das tun, was er am besten kann und gerne mag. Außerdem ist es mir sehr wichtig, genügend Zeit mit meinen Kindern zu verbringen und ich glaube, dass ich da eine gute Balance hinbekomme, so dass ich mich selbst verwirklichen kann, mein Partner mir genügend Freiraum gibt und die Kinder nicht zu kurz kommen.

 

Welche Strategien haben dein Mann und du, um Kids und Familienunternehmen möglichst reibungslos zu jonglieren?

Stefan und ich haben die Rollen und Aufgaben klar verteilt. Ich bin das „Organisationstalent“ in der Familie, plane und manage alle Termine und Abläufe. Für Stefan und mich ist es extrem wichtig, dass wir nur im absoluten Ausnahmefall zusammen unterwegs sind. Normalerweise teilen wir uns auf, so dass immer einer von uns bei den Kindern ist. Vor Kurzem war Stefan vier Tage mit unseren Kids alleine während ich auf einer Messe war. Ich habe das ganze Haus mit Notizzetteln plakatiert: Wer hat wann Sport, wann fahren welche Schulbusse, welche Kindergeburtstage stehen an. Das ist extrem wichtig für mich, damit ich das Gefühl habe und sicher bin, dass alles läuft. Allerdings vor allem, um mich zu beruhigen. Meine Aufgabe ist neben meinem Job bei Ankerkraut das Management bei uns Zuhause. Stefan hat dafür in der Firma andere Aufgaben und arbeitet zum Beispiel auch viel mehr als ich.

 

 

Welche Tipps hast du für alle Mütter, die mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen?

Mädels, glaubt an euch! Zweifelt nicht, sagt nicht, dass es nebeneinander nicht funktioniert. Lasst euch das von niemandem einreden. Traut euch mehr zu und macht es einfach!

 

 Wenn du doch mal das Gefühl hast, ein wenig Pause von Familienalltag und Unternehmen zu brauchen: An welchem Ort in Hamburg kannst du dich am besten entspannen? 

Wenn ich in Hamburg entspannen wollen würde, würde ich irgendwo hin gehen, wo wenig Menschen sind. Ich würde mich zum Beispiel am Alsterlauf auf eine Wiese legen oder ich würde mir einen Hund ausleihen (wir haben derzeit leider keinen) und mit ihm zwei Stunden auf die Hundewiese an die Außenalter gehen, um mit ihm zu spielen. (PS: Wer leiht mir seinen Hund?  insta: @anne_ankerkraut ;-)

 

Hast du eine Lieblingsgewürzmischung von „Ankerkraut“, die du dir beim Kochen oder Backen gar nicht mehr wegdenken kannst?

Klaro: Ich steh total auf unsere Pilzpfannen-Mischung, und man kann sie so einfach anwenden: Butter, Pilze, Sahne, Zwiebeln, ein paar Löffel Pilzmischung - fertig. Nicht besonders geeignet im Rahmen einer Diät – aber gut für die Seele!

 

Was inspiriert Euch zu neuen Gewürzmischungen? 

Viel! Was möchten wir selber haben, also, was vermissen wir – bei uns im Shop oder auf dem Markt. Wir hören auch extrem auf das Kundenfeedback, zum Beispiel aus dem Social-Media Bereich. Außerdem dürfen und sollen unsere Kollegen ihre Ideen einbringen. So planen wir aktuell beispielsweise eine Ankerkraut-Mitarbeiter-Linie. Dadurch, dass wir eine eigene Produktion haben, können wir relativ schnell auch mal neue Ideen ausprobieren und im Markt testen.

 

Wenn wir jetzt mal fünf Jahre in die Zukunft spulen: Wo siehst du Ankerkraut da? Welche Pläne stehen demnächst bei Euch an?

Ich hoffe einfach, dass Ankerkraut sich so toll und gesund weiterentwickelt, wie in den letzten Jahren auch und ich würde mich natürlich freuen, wenn wir noch mehr Kunden hinzugewinnen und von uns überzeugen können. Dabei versuchen wir stets nach unserer Vision: "Wir bringen frischen Wind in die angestaubten Gewürzregale dieser Welt" und unserer Mission "Wir bringen Menschen auf den Geschmack, das Kochen wieder zu leben und zu lieben" zu handeln. 

 

 

Mehr Infos zu "Ankerkraut" findet Ihr unter www.ankerkraut.de

 

 

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Fotos: Ankerkraut