TATORT-TALK mit

Wotan Wilke Möhring

Wotan Wilke Möhring alias Kommissar Thorsten Falke ermittelt wieder bei uns in Hamburg ! Im Tatort "Treibjagd" (Das Erste, 18.November, 20:15 Uhr) haben er und seine Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) es mit einer Einbruchsserie in Neugraben zu tun, bei der ein junger Mann auf frischer Tat ertappt und vom Besitzer eines Einfamilienhauses erschossen wird. Doch die Dinge sind anders als die scheinen. Wir haben mit Wotan Wilke Möhring über den Dreh, seine Hamburg-Hotspots und inspirierende Frauen gesprochen…

 

 

Der Tatort „Treibjagd“ ist schon dein 5. Tatort mit Franziska Weisz. Wie liefen die Dreharbeiten?

Franziska ist eine ganz großartige Person, die eine ähnliche Arbeitsumstellung wie ich hat. Wenn wir unseren Text für den nächsten Tag vorbereiten, machen wir sogar oft unabhängig voneinander dieselben Verbesserungen und Korrekturen. Wir mögen uns privat und auch die Ermittler haben sich ja mittlerweile zusammengerauft. Es ist immer ein großer Spaß. 

 

Was gefällt dir an deiner Rolle als Kommissar Falke?

Mit gefällt an der Figur, dass sie sich hauptsächlich auf die Polizeiarbeit konzentriert und das Privatleben nur dann eine Rolle spielt, wenn es wie in „Treibjagd“ auch etwas mit dem Fall zu tun hat. Falke ist auch jemand, der impulsiv aus dem Bauch, aus dem Herzen heraus Entscheidungen trifft, oft damit richtig liegt, manchmal aber auch über das Ziel hinausschießt, was ihn sehr menschlich macht. Außerdem finde ich es spannend, dass man diese Figur über eine lange Zeit, vielleicht 20 Jahre, erzählen kann und nicht nur auf 90 Minuten begrenzt Zeit hat. 

 

Was macht die Arbeit beim Tatort für dich so besonders?

Etwas, das mir beim Tatort jedes Mal wieder Spaß macht, ist, dass bei jedem Dreh ein neues Team dabei ist. Es gibt immer einen neuen Kameramann, einen neuen Regisseur, neue tolle Kollegen, die mitspielen. So kommt keine Routine auf. Meine Figur ist leicht da. Ich ziehe mir meine Lederjacke an und dann bin ich Falke, aber alles andere am Set bleibt immer spannend. 

 

Diesmal geht es um eine Einbruchsserie. Hattest du es auch privat schon mal mit Einbrechern zu tun?

Zum Glück nicht, aber ich kann verstehen, dass ein Einbruch die Intimsphäre sehr verletzt. Selbst wenn man den Einbrecher gar nicht gesehen hat und man nur weiß, da war jemand in meiner Wohnung. Ich wurde bloß mal im Urlaub bestohlen, aber das ist schon sehr lange her. Da habe ich den Typen noch vom Balkon springen sehen. 

 

 

 

Du bist also zuhause kein Sicherheitsfanatiker?

Null! Ich bin sogar schon mal selber bei mir zuhause durchs Fenster eingestiegen, weil ich den Schlüssel vergessen haben. Ich habe nur gehofft, dass keiner zuguckt, damit er nicht sieht, wie leicht das geht. Ich finde aber schon wichtig, und darum geht es ja auch in dem Tatort, dass man guckt, wer sind überhaupt meine Nachbarn. Man muss sich nicht mit jedem verstehen, dafür sind die Menschen auch einfach zu verschieden, aber man sollte wissen, wer da so neben einem wohnt. 

 

Du bist ja regelmäßig für Tatort-Drehs bei uns in Hamburg. Was gefällt dir an unserer Stadt und was sind deine Lieblingsorte?

Ich finde das Berglund super in der Gertigstraße. Neulich habe ich auch eine tolle Ausstellung gesehen in den Deichtorhallen. Dort gehe ich auch immer gerne hin. Außerdem mag ich alles um die Alster herum, den Kiez und das Karolinenviertel. Es ist toll, das Hamburg so verschiedenartig ist – je nach dem, ob du am Mühlenkamp oder im Karoviertel unterwegs bist. Ich kenne mich mittlerweile schon ein wenig aus in der Stadt. Ich mag die Leute, ich mag die Nähe zum Wasser, ich mag die angebliche Wortkargheit. Auch den Humor der Hamburger finde ich super. 

 

Was machst du am liebsten an einem drehfreien Tag? 

Wenn ich in Alsternähe bin, gehe ich laufen. Bei schönem Wetter fahre ich auch gerne ans Meer. Ich habe viele Freunde in Hamburg, mit denen ich mich dann treffe. Auch einfach mal gar nichts zu machen, finde ich mega. 

 

Du hast extrem viel in Deinem Leben erreicht. Gibt es noch einen Traum auf deiner Bucket List, den du dir erfüllen möchtest?

Ich habe tausend Träume! Private Träume wären zum Beispiel eine große Reise, um den Kindern die Welt zu zeigen und natürlich auch selbst die Welt sehen und Dinge ausprobieren, die man noch nicht gemacht hat. Die Liste ist wirklich endlos.

 

 

Welche Frauen haben dich in deinem Leben inspiriert?

Meryl Steep ist für mich eine Instanz. Ihre Haltung, ihre Art und Weise des Ausdrucks finde ich beeindruckend. Dann habe ich jetzt eine Geschichte gelesen über die Schriftstellerin Tove Jansson, die Erfinderin der Mumins. Das war eine mutige Frau mit einer ganz spannenden Geschichte, die zur damaligen Zeit zum Beispiel schon ganz offen in einer lesbischen Beziehung lebte. Selma Lagerlöf finde ich super und Astrid Lindgren auch. Das hat natürlich viel mit den Kindern zu tun. Toll finde ich auch die Frauen, die den Mut hatten, sich der #metoo Debatte zu stellen. Und heute am Bahnhof habe ich eine Frau gesehen, die drei kleine Kinder und einem mega schwerem Koffer im Schlepptau hatte. Das sind für mich die Alltagsheroes. Wenn ich eine Firma leiten würde, würde ich Mütter einstellen, weil sie einfach so viel gleichzeitig machen, dass sie das gar nicht stressen kann, wenn zum Beispiel eine Konferenz platzt. Das finde ich bewundernswert, wie sie alles am Laufen zu halten, ihre eigenen Dinge zurückzunehmen und irgendwie doch gute Energie zu versprühen. So etwas beeindruckt mich total.

 

Stehen neben dem Tatort weitere Projekte bei dir an, auf die wir gespannt sein dürfen?

Ich werde von Januar bis April in München „Das perfekte Geheimnis“ drehen, das wird ein großer Kinofilm von Bora Dagtekin. Danach steht dann wieder ein Tatort an. Im Sommer habe ich natürlich auch Pläne fürs Kino. Diesen Sommer war ich richtig faul und habe gar kein Kino gemacht, sondern die komplette Seenplatte um Berlin abgefahren. Nächstes Jahr wird der Terminkalender dann wieder etwas voller.

 

 

Der Tatort "Treibjagd" mit Wotan Wilke Möhring ist

am Sonntag, den 18. November um 20:15 Uhr im Ersten zu sehen.

 

Interview: Yasmin Konken; Fotos: NDR/Christine Schroeder