Yoga-Talk mit Ralf Bauer

Ooommm… Schauspieler Ralf Bauer hat schon seit vielen Jahren die Kraft des Yoga für sich entdeckt. Im MeridianSpa Eppendorf hat er zu einer ganz besonderen Yoga-Session eingeladen und uns in die Welt des tibetischen Lu Jong Yoga entführt. Im Interview verrät er, wie die asiatische Sportart sein Leben verändert hat …

 

Welchen Bezug hast du zu Hamburg?

Ich liebe Hamburg, weil ich hier 17 Jahre lang gelebt habe. Es waren vor allem auch entscheidende Jahre für mich. Ich nutze jede Gelegenheit, um in Hamburg sein zu können. Daher habe ich mich sehr gefreut, als MeridianSpa anrief und fragte, ob ich ein Yoga-Special in einer ihrer Hamburger Anlagen geben möchte.

 

Wie bist du zum Yoga gekommen?

Ich habe damals in Hamburg die Schauspielschule besucht. Im Rahmen der Ausbildung haben wir auch viel Körperunterricht gehabt. Doch als die ersten Engagements kamen, konnte ich viele Sportarten nicht mehr regelmäßig ausüben, weil ich viel unterwegs war. Da stellte sich mir die Frage: Was machst du, wenn du dich bewegen möchtest, aber nicht in eine normale „Muckibude“ gehen willst?“ Ich habe etwas gesucht, das mich von einem Lehrer, Raum, Ort und Zeit unabhängig macht. Und so kam ich damals eigentlich zum Yoga, denn Yoga kann man in der kleinsten Hotelzelle praktizieren. Ein weiterer Vorteil für mich ist, dass Yoga – wie jede asiatische Kampfkunst oder Sportart – immer mit einer Philosophie über das Leben einhergeht.

 

Warum unterrichtest du Yoga?

Es liegt mir einfach am Herzen, das Wissen und die Tradition des tibetischen Yoga weiterzugeben. Wir können so viel davon lernen und ich möchte meinen Teil dazu beitragen. Je mehr Menschen den Zugang zum Yoga bekommen, desto besser. Mich persönlich hat Yoga unter anderem von Rückenschmerzen befreit. Yoga ist eine tolle Möglichkeit, seinen Körper wieder gesund zu machen und gesund zu halten. Das möchte ich einfach weitergeben.

 

Passt du deine Stundenbilder den Teilnehmern an?

Ich unterrichte Lu Jong – eine Form des tibetischen Heilyoga. Lu Jong ist nicht so kompliziert und deswegen können es grundsätzlich Menschen jeder Altersgruppe und jeden Fitnessgrads ausüben. Dennoch passe ich meinen Unterricht an die Fähigkeiten der Teilnehmer an. Vor allem, wenn ich merke, dass jemand noch nie Yoga gemacht hat. Es hat immer etwas damit zu tun, ob ich auf Menschen treffe, die grundsätzlich Sport machen und sich regelmäßig bewegen. Also in einem Fitnessstudio zum Beispiel weiß ich, dass die Teilnehmer hier grundsätzlich ein Körpergefühl haben und ich mit ihnen anders arbeiten kann, als mit Teilnehmern, die nur selten zum Sport gehen. Daran orientiere ich mich. Der Grundaufbau ist immer gleich, aber wie weit wir dann mit den Übungen gehen, hängt auch von den Teilnehmern ab. Anpassungen des Schwierigkeitsgrades gibt es aber als solches nicht. Ich sage den Teilnehmern immer, dass es nicht wichtig ist, dass sie die Endposition einer Übung erreichen. Entscheidend beim Yoga ist der Weg. Wichtig dabei ist, dass man bei jeder Ausführung einer Übung auf seinen Körper hört und nicht über die eigenen Grenzen geht. Es geht beim Yoga um die Schärfung des Bewusstseins für den eigenen Körper.

 

Gibt es eine Yoga-Form, die du kritisch siehst?

Etwas kritisch beäuge ich das Power Yoga. Das sollte man nur ausüben, wenn man die Übungen wirklich auswendig kennt und beherrscht oder einen guten und geschulten Trainer zur Seite hat. Ansonsten besteht die Gefahr, sich zu verletzen. Ob man eine Übung richtig macht und ob sie einem gut tut, kann man ganz leicht erkennen - denn es gilt: Yoga sollte einem nie Schmerzen zubereiten. Wenn man durch Yoga Schmerzen bekommt, stimmt etwas nicht. Ich spreche hier nicht von Muskelkater, das ist etwas anderes.

 

 

 

Hat sich „Yoga“ in den letzten zehn Jahren verändert? Hat es dich verändert?

Als ich mein Yoga-Special im MeridianSpa Eppendorf gegeben habe, war ich über die Teilnehmerzahl von 50 Leuten sehr überrascht. Das war vor zehn Jahren noch ein bisschen anders. Damals waren die Kurse noch nicht so stark besucht. Vor allem der Männeranteil im normalen Kursbetrieb hat sich deutlich erhöht. Das freut mich.

An mir persönlich ist mir aufgefallen, dass sich mein Blick auf das Leben, Menschen und Dinge verändert hat. Ich empfinde immer mehr Sachen als sinnlos und mache sie dann auch nicht. Das ist extremer geworden, weil mir beim Yoga viele Sachen immer bewusster werden. Beispielsweise empfinde ich es auf einem „roten Teppich“ zu sein als sinnlos und halte mich hier seit langem eher fern. Auch mein Bewusstsein für die Umwelt wurde noch mehr geschärft. Das kann aber auch alles mit dem Alter zu tun haben – es ist wahrscheinlich beides.

 

Wie hat sich die Wahrnehmung in Bezug auf deine Person und Yoga verändert?

Ich weiß das gar nicht so richtig, ob sich die Wahrnehmung verändert hat. Ob es damals Menschen gab, die es nicht authentisch empfunden haben, als ich mit einem Interesse für Yoga und meiner DVD an die Öffentlichkeit gegangen bin.

Ich weiß natürlich, dass, wenn man als Schauspieler „Sportvideos“ veröffentlicht, man schnell auf eine komische Schiene kommt. Die Menschen denken schnell, dass man nur DVDs verkaufen und Geld machen will. Für mich sind die DVDs eher ein Nebenprodukt, um Yoga den Menschen näher zu bringen. Deswegen habe ich mich damals nicht beirren lassen. Mir persönlich hat Yoga immer sehr geholfen und diese Erfahrungen möchte ich an möglichst viele Menschen weitergeben. Mit einem klassischen Yoga-Kurs erreiche ich ca. 47 Menschen. Aber die Reichweite einer DVD ist um einiges größer. Hier erreicht man innerhalb von kurzer Zeit tausende von Menschen. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass es sehr wich+g ist, nicht nur eine Yoga-DVD zu schauen – sondern auch tatsächlich in Yogakurse in einem Studio zu gehen. Nur dort können wichtige Korrekturen und Anleitungen durch Trainer erfolgen.

Direktes Feedback bekomme ich eher von Männern, die sich bei mir bedanken, weil sie wegen mir mit Yoga angefangen haben. Oftmals haben deren Frauen ihnen meine DVD geschenkt oder ein Yoga-Buch gekauft. Das freut mich dann sehr zu hören, vor allem, wenn sie sagen, dass sie früher extreme Rückenschmerzen hatten und aufgrund der Yogaübungen aus meiner DVD diese Schmerzen gelindert wurden oder gar weg sind. Etwas Schöneres kann es für mich gar nicht geben.

 

Was sind deine persönlichen Ziele und nächsten Schritte mit Blick auf Yoga in 2017?

Es soll ein neues Yoga-Buch geben. Vor zwei Jahren war ich in der Lehre bei einem tibetischen Arzt auf Sri Lanka und in Tibet. Das hat insgesamt zwei Monate gedauert. Das Buch soll eine Mischung aus Ernährung und Yoga werden, unter Berücksichtigung der eigenen körperlichen Konstitution. Das Buch ist sehr aufwendig und ich hätte am liebsten mal fünf Monate am Stück frei, um mich zum Schreiben zurückzuziehen. Die Veröffentlichung ist spätestens für 2018 geplant.

Ansonsten werde ich einen weiteren Lehrgang bei meinem tibetischen Yogalehrer machen, bei dem es speziell um tibetische Atemübungen und Meditation gehen wird.

 

Wo liegt dein beruflicher Schwerpunkt in 2017?

Meine Hauptarbeit ist immer noch die Schauspielerei. Meine Tätigkeit als Yoga-Trainer tritt da deutlich zurück. Ich denke meine Zeit kommt hier mit 80 Jahren, wenn die Menschen sehen, dass ich mich immer noch bewegen kann und ich keinen „Humbug“ erzählt habe. 

 

 

Fotos: Martin Christ (3), MeridianSpa (1), MeridianSpa Loft (1)