Wo ist die Liebe geblieben?

Autorin und Bloggerin Lina Mallon im Interview über ihr Buch schnell.liebig

Das haben wir Lina Mallon gefragt. Die Kolumnistin und Bloggerin, die in Hamburg und Kapstadt lebt, hat gerade ihr erstes Buch "schnell.liebig" veröffentlicht. In ihrem literarischen Debüt plädiert sie dafür, sich wieder kopfüber in die Liebe zu stürzen, ohne Netz und doppelten Boden, räumt mit Datingmythen auf und erzählt aus eigener Erfahrung, wie sich die Suche nach der großen Liebe tatsächlich anfühlt. In unserem Interview verrät sie, warum es uns in der heutigen Zeit eigentlich so schwer fällt, uns zu binden, was Tinder & Co. uns wirklich geben, und welchen Ort in Hamburg sie für ein erstes Date empfehlen würde…

Mit welcher Intention hast du dein erstes Buch „schnell.liebig“ geschrieben?

Ich wollte ein Buch schreiben, das nicht über diese Generation und ihre Beziehungen spricht – sondern davon erzählt wie es ist, wenn man in ihr steckt, ein Teil des Ganzen ist. Schnell.liebig ist kein Buch aus der Beobachterposition. Ich erzähle darin meine Geschichte, von meinen Fehlern, von meinen Erfahrungen, von den Männern, die in meinem Leben eine Rolle spielten und wie die Dates und Beziehungen mit ihnen, mich geprägt und manchmal auch verändert haben

Es gibt unzählige Bücher die Fragen aufwerfen wie : „Warum brechen wir unsere Dates, unsere neuen Chancen auf Beziehungen – meistens so schnell wieder ab?“ „Sind wir überhaupt noch beziehungsfähig?“ „Was bedeutet Liebe eigentlich?“ 

In meinem Buch habe ich darüber geschrieben wie es sich anfühlt meine Antworten auf diese Fragen zu finden. 

 

Dank Tinder und Co. können wir jeden Tag jemand Neues kennenlernen. Was geben uns diese schnellen, unkomplizierten Dates?

Ich glaube auf den ersten Blick: ungezwungene Bestätigung, Unterhaltung, Endorphine und auch – mehr Lockerheit beim ersten Date, weniger Erwartungen stehen ja auch für weniger Anspannung und Raum für Überraschungen. Tinder nimmt den Druck heraus, Tinder kann ein Ort sein, an dem man ohne große Konsequenzen auch mal die eigene Comfort Zone verlassen, Neues probieren kann. 

Schwierig wird Tinder, wenn man eigentlich nicht nur auf der Suche nach ein bisschen Bestätigung ist – sondern sie unbedingt braucht. Seinen eigenen Wert daran misst, ob das Date von gestern nun noch mal schreibt, noch Interesse hat oder nicht..

 

Warum fällt es uns trotz der Vielzahl an Möglichkeiten in der heutigen Zeit so schwer, uns zu binden?

Vielleicht ist ja genau der Gedanke, was wir alles und dass wir alles haben können der, der uns Angst macht. Wir sind vielleicht ja nur deshalb mit so viel Geschwindigkeit in unseren Dates unterwegs, weil wir Angst haben bei all den Optionen genau das zu verpassen, was wir eigentlich so sehr wollen: Liebe. 

Aber woher wissen wir, ob die Liebe, die wir fühlen schon gut genug ist, wenn wir jetzt anhalten? Ich glaube wir sind alle so sehnsüchtig nach Liebe, echter Liebe – wir haben nur keine Ahnung mehr wo und ob wir eigentlich danach suchen sollen.

 

Welche Dating-Methode würdest du empfehlen, wenn man auf der Suche nach einem festen Partner ist?

Statt nach der perfekten Dating-Methode zu suchen, würde ich mir zuerst einmal selbst die richtigen Fragen stellen. „Was will ich von einer Beziehung?“ und dann „Warum will ich es?“

Ich schreibe in einem Kapitel darüber, wie ich sämtliche Beziehungen, Männer und Exe nach dem Marie Condo Prinzip emotional aussortiert habe, wie gut sich das angefühlt hat – aber warum alle Methoden den selben Haken haben: keine Liste dieser Welt, die du abarbeiten und abhaken kannst, wird dir je sagen, was du wirklich willst oder es dir magisch vor die Tür stellen. Es braucht mehr als das.

Wer herausfindet, was er will, warum er es will – kann viel offener und klarer daten und vor allem klare Linien ziehen, wenn es nicht passt.

Ich habe wahnsinnig viel Zeit damit verschwendet mir Leben und Beziehungen mit Männern auszumalen, wie ich sie mir hätte vorstellen können – anstatt zu leben oder eben loszulassen, was da wirklich gerade passierte. 


Was war das beste und das schlimmste Date, das du jemals hattest?

Schlimmstes Date: 60 Minuten mit einem napoleonischen Choleriker in einer Weinbar zu sitzen, in der er demonstrativ Bier trank, um seine Maskulinität zu beweisen

Bestes Date: Sonnenaufgang, zwei Bier, die noch von der letzten Nacht übrig blieben, Blick über den Hamburger Hafen und einander gegenseitig die Lieblingssongs vorspielen 

 

Was wäre in Hamburg ein perfekter Ort für ein erstes Date?

Ich liebe entspannte Bars für erste Dates, in Hamburg mag ich die Gloria Bar oder den SAAL II für erste Dates ziemlich gern.

 

Was können wir Frauen beim Daten noch dazulernen?

Sagen, was wir meinen, mutig und offen kommunizieren (und ja, dann auch mit Ablehnung umgehen können) und nicht aus eigener Unsicherheit lieber zwischen den Zeilen andeuten, was wir meinen könnten und dann enttäuscht darüber sein, dass unser Gegenüber es nicht erraten hat. 

 

Herz an den Falschen verschenkt – was ist dein persönliches Rezept bei Liebeskummer?

Die ersten 48 Stunden sind die übelsten – durch die muss man irgendwie durch, darf sie nicht abbrechen, darf nicht doch wieder schreiben, doch wieder Kontakt suchen – sonst gehen sie immer wieder von vorn los. 

Ich habe früher immer gedacht Liebeskummer wird durch eine Menge Erklärungen leichter, so als könnte man einen Schmerz wegerklärten oder sich den Falschen zurückerklären, zum Richtigen erklären, wenn man nur lange genug miteinander redet. Aber das was wirklich hilft: Distanz. Räumliche, mentale, zeitliche. 

 

Was möchtest du deinen Lesern mit auf den Weg geben?

Liebe gibt es in unterschiedlichsten Formen, wir finden sie bei unterschiedlichsten Menschen und ganz oft dort, wo wir sie nicht vermutet haben. Die große Überwindung ist eher sich in einer Zeit, in der alles so schnell.liebig ist, trotzdem zu entspannen, zu entschleunigen. Sowohl die eigenen Erwartungen, Vorstellungen und Sehnsüchte – als auch die Dates und die Beziehungen, die wir haben. 

 

 Weitere Infos zu Linas Buch "schnell.liebig" bekommt Ihr hier:

www.edenbooks.de

 

Linas Blog besucht Ihr unter:

www.linamallon.de

 

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Fotos: Lina Mallon, PR