Wie geht Homeoffice mit Kids?

Katherina Horn Gastrofreunde Hamburg – Wie geht Homeoffice mit Kids in Zeiten von Corona?

Das haben wir Katherina Horn gefragt. Als selbstständige Unternehmerin und Inhaberin der Agentur Gastfreunde, die Existenzgründer in der Gastronomie berät, gehörte die Arbeit im Homeoffice schon vor der Corona-Krise für sie zum Alltag. Hier verrät die Mutter einer zweijährigen Tochter, wie man Job und Kinderbetreuung daheim unter einen Hut bekommt, wie wir unseren Arbeitstag zuhause sinnvoll strukturieren und was diese Krise für sie persönlich und für die Gastro-Szene bedeutet…

Wie und wo sollte ich mir meinen Homeoffice-Platz einrichten?

Ich finde es immer wichtig, einen eigenen Platz nur zum Arbeiten und somit für mich zu haben. Wir haben zuhause das Glück, dass wir viel Platz haben und ich sogar ein eigenes Büro habe. Also eine Tür, die ich hinter mir schließen kann. Wer diese Möglichkeit nicht hat, kann sich aber auch anders einen richtigen Arbeitsplatz schaffen: eine nette Ecke mit Schreibtisch, Blumen und Fotos - vor allem aber ohne Kinderspielzeug :-) Durch meinen ganz persönlichen kleinen Raum, habe ich auch immer gleich das Gefühl, so richtig in die Arbeitswelt eintauchen zu können, und habe weder den Haushalt noch andere Ablenkung um mich herum.

 

Wie strukturiert man seinen Arbeitstag im Homeoffice sinnvoll?

Einen Arbeitstag im Homeoffice sollte man genauso beginnen wie einen Tag im Büro. Am besten hat man bereits gefrühstückt und vielleicht sogar schon eine Runde Sport gemacht. Ich finde es außerdem wichtig, mich anzuziehen und fertig zu machen, als würde ich ins Büro gehen. So ein bisschen innere Arbeitshaltung stellt sich dann von fast alleine ein…

Ich mache mir dann einen Plan, was ich heute alles schaffen möchte und los geht’s. Wichtig ist natürlich auch, sich Pausen zu gönnen und auch das Mittagessen nicht zu vergessen. Ein kleiner Spaziergang zwischendurch oder zum Lunch mit einer Freundin sind da perfekt.

 

Wie kann ich die Kinder während der Arbeitszeit am besten beschäftigen?

Ich persönlich finde, dass im Normalfall Arbeit zuhause und Kinder überhaupt nicht zusammengehören. Gerade jetzt, wo viele aufs Homeoffice angewiesen sind, ist das natürlich super schwer und oftmals gar nicht zu trennen. Je nachdem wie alt das Kind ist, ist es aber unmöglich, sich um das Kind während der Arbeit zu kümmern – also alles nicht so einfach und ein Balance-Akt jeden Tag aufs Neue. Es gibt Tage, da ist dein Kind super drauf und kann sich eine gewisse Zeit selber beschäftigen, an anderen Tagen braucht es Non-Stop deine Nähe. Deshalb habe ich es mir abgewöhnt, mein Kind zu beschäftigen, um dann zu arbeiten. Ich teile mir meinen Tag lieber im Vornherein ein. Meine Tochter ist erst 2 1/2 und braucht deshalb noch super viel Action mit ihrer Mama: singen, tanzen, malen, basteln oder einfach nur eine Geschichte lesen. Eine ganze Stunde alleine spielen kann ich vergessen. Und deshalb versuche ich erst gar nicht, zu arbeiten und sie parallel zu beschäftigen. Das setzt mich unter Druck und stresst am Ende uns beide total. Ich nutze also Slots, in denen sie schläft. Zum Beispiel mittags oder abends. Unter „normalen“ Voraussetzungen würde ich mir natürlich immer auch die Hilfe von Freunden, meiner Familie oder den Nachbarn zu holen. Da wir zur Zeit aber unbedingt alle einfach nur in den eigenen vier Wänden bleiben sollten, ist das eine ganz besondere Herausforderung für alle Mütter und Väter im Homeoffice. Ich habe das Glück selbständig zu sein, und meine Aufträge auch abends und am Wochenende meist sehr flexibel bearbeiten kann. Dann kümmert sich mein Mann um die Kleine und ich kann entspannt arbeiten.  

 

Was mache ich, wenn mein Kind z.B. während eines beruflichen Telefonats meine Aufmerksamkeit verlangt?

Ich habe zum Glück nur sehr selten den Fall, dass ich super wichtige Telefonate führen muss und meine Tochter dabei ist. Ich erkläre ihr dann immer vorher, was ich jetzt mache und dass es meine Arbeit ist. Sie versteht das eigentlich recht gut und spielt meistens mit. Vorausgesetzt das Gespräch dauert nicht eine halbe Stunde… das würde wahrscheinlich noch nicht klappen. Wenn sie mal älter ist und sich besser allein beschäftige kann, sieht das vielleicht schon anders aus. Oftmals „warne“ ich mein Gegenüber auch vor und berichte, dass ich mich gerade um meine Tochter zuhause kümmern muss. Gerade jetzt, in dieser super schwierigen Corona-Zeit, haben eigentlich alle Verständnis dafür und finden es oftmals sogar witzig wenn irgendwann ein Quaken aus dem Off kommt ;-)

Aber auch hier versuche ich wirklich dem ganzen Stress so weit es geht aus dem Weg zu gehen und mir Telefontermine auf Zeiten zu legen, an denen ich nicht alleine mit ihr bin oder sie schläft.

 

Welche Tipps zur Arbeit im Homeoffice mit Kind kannst du uns noch aus deiner eigenen Erfahrung geben?

Spreche dich mit deinem Partner oder den engsten Freunden ab und versuche dir Zeit und Raum zum Arbeiten ohne Kind zu schaffen. Ich kann meine Arbeit nicht „scheibchenweise“ machen und muss mich wirklich konzentrieren. Da es den meisten genauso geht, kann ich nur eine klare Trennung von Kind und Arbeit empfehlen. Natürlich checke auch ich nebenbei meine Mails, um nichts super wichtiges zu verpassen. Aber die Welt ist bislang nicht untergegangen, nur weil ich mal 3 Stunden nicht geantwortet habe:-). Und so versuche ich das Ganze zu handeln. Ich organisiere mich, meinen Tag und mein Kind soweit es geht und den Rest ergibt der Tagesverlauf. 

 

Du bist selbst im Gastronomie-Bereich tätig, der sehr stark von der Krise betroffen ist. Wie sind die Auswirkungen für Dich ganz persönlich zu spüren?

Da ich selber bis vor weniger Monaten noch meinen eigenen Betrieb hatte, geht mir das Schicksal der Gastronomen natürlich sehr ans Herz. Die machen gerade wirklich die Hölle durch und haben furchtbare Existenzängste. Auch ohne Corona ist das Leben in der Gastronomie kein Zuckerschlecken. Alle arbeiten ununterbrochen und super hart. Mit all ihrer Leidenschaft, persönlichem Können und vollem finanziellen Risiko. Keiner den ich kenne, hat dabei so hohe Netto-Erlöse, das er auch nur ansatzweise diese Krise ohne finanzielle Unterstützung vom Senat überleben könnte.
Wir hoffen, dass wir alle gemeinsam irgendwie diese schwierige Zeit durch- und überstehen. Es ist bereits jetzt unglaublich schön zu sehen, wie sehr alle zusammenhalten, sich gegenseitig unterstützen und tolle Aktionen ins Leben rufen. 

Für meine Firma, die Gastfreunde, sind die Auswirkungen des Corona-Virus natürlich ebenfalls zu spüren. Wir unterstützen Existenzgründer bei der Erstellung ihrer Businesspläne und alle Kunden sind mit komplett anderen Voraussetzungen in ihr Gründungsvorhaben gestartet. Viele arbeiten haupt- oder nebenberuflich in der Gastronomie und sind plötzlich ohne Arbeit und keiner weiß, wie es weitergeht. Diese Unsicherheit ist für alle schwierig. 

Außerdem bieten wir Workshops für Existenzgründer in der Gastronomie an, welche nun ersatzlos und bis auf Weiteres abgesagt werden mussten. Auch wir müssen uns deshalb neu justieren und schauen, wie wir aus dieser Situation das Beste herausholen können.

 

Was kann jeder einzelne von uns tun, um die lokalen Gastro-Betriebe zu unterstützen?

Das ist eine gute und vor allem wichtige Frage. Denn es gibt ja seit 10 Tagen quasi täglich neue Bestimmungen und Einschränkungen, welche insbesondere die Gastronomie und Hotellerie treffen. Aber auch deren Zulieferer von verderblichen Waren wie Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse oder die Bäckereien sind enorm von diesen Einschnitten betroffen. Denn diese kamen für alle plötzlich und in der Konsequenz unerwartet. Es heißt also nun, das gastronomische Leben im Hintergrund möglichst aufrecht zu erhalten und alles daran zu setzen, eine gewisse Infrastruktur zu bewahren. Viele Gastronomen bieten einen Lieferservice oder Take Away-Pakete an. Es wäre toll, wenn möglichst viele dieses Angebot nutzen und somit den Gastronom unterstützen. Auch die Idee „pay now - eat later“ ist toll und sichert einigen Gastronomen ein wenig von der bitter nötigen Liquidität, um weiterhin ihre Mitarbeiter bezahlen zu können.

Wichtig ist außerdem, das „Danach“ nicht zu vergessen. Zum Glück sind wir ja ein sehr fleißiges Land und ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Krise überstehen werden. Wir müssen also alle wieder ganz fleißig Essen gehen, Wein trinken, Kunst und Kulturangebote nutzen und einfach mal Urlaub in der Region machen ;-) 

Weitere Infos zu Katherina und Gastfreunde bekommt Ihr unter:

gastfreunde-hamburg.de

 

 

 

Fotos: Privat, unsplash.com