Wie geht Coworking mit Genuss?

Neu in Hamburg: foodlab Gründerin Christin Siegemund im Interview

Christin Siegemund macht mit ihrem foodlab das Watermark-Gebäude in der Hafencity zum neuen Epizentrum für die Hamburger Food-Szene. Mit einem einzigartigen Mix aus Coworking-Space und Gastronomie bringt sie dort auf 1200 qm Food-Start-ups und Genießer zusammen. Im Interview verrät uns die studierte Marketing- und Kommunikationswirtin, was das foodlab so einzigartig macht, welche Hürden es auf dem Weg bis zur Eröffnung zu meistern galt und wie sie es als Mutter von fünfjährigen Zwillingsmädchen schafft, Start-up und Familie unter einen Hut zu bekommen… 

Welches Konzept steckt hinter dem foodlab?

Das foodlab ist eine Art „Place to be“ für Foodies. Hier ist jeder willkommen, der etwas mit Food + Beverage zu tun hat: Es gibt einen Coworking Space (nur für Foodies), außerdem verschiedene Küchen zum Entwickeln, Produzieren, Fermentieren und zum Testen. Es gibt ein Foto- und Eventstudio, in dem hübscher Content produziert werden kann oder Veranstaltungen stattfinden können. Und außerdem gibt es eine Kaffeerösterei (Hanseatic Coffee) im Haus, die nicht nur hausgerösteten Kaffee anbietet, sondern abends zur Wein- & Aperitivo Bar wird und ein Popup Restaurant, in dem alle vier Wochen der Betreiber wechselt, in manchen Moanten sogar mittags und abends!

 

Woher kam die Inspiration für deine Business-Idee?

Als ehemalige Bloggerin und Werberin, habe ich für einige Food Start-ups gearbeitet und dabei erkannt, dass eine gemeinsame Infrastruktur fehlt. Ein Büro kann man sich als Gründer vielleicht gerade noch leisten, wenn man nicht im Home Office sitzt. Aber eine Küche, in der man seine Produkte herstellen kann, sodaß sie in einem Supermarktregal einen Platz finden können, das gab es so nicht. Und schon gar nicht beides an einem Ort. Ich habe dann ein paar mehr Kompnenten hinzugefügt – und herausgekommen ist eben genau dieser Ort.

 

Wie hast du die Location in der HafenCity gefunden?

Ich hatte Glück, das richtige Architektenteam gefunden zu haben, die mich auf das Gebäude „Watermark“ aufmerksam gemacht haben – ein sehr beeindruckendes Gebäude, das man von fast überall aus in der Hafencity sehen kann: ein großer weißer Turm. Im Erd- und im sogenannten Waftgeschoss haben wir unser Zuhause gefunden.

Wie hast du dein Start-up finanziert?

Über verschiedene Finanzmodule. Dabei ist es aber das eine, den Ausbau zu zahlen und das andere, die Planungszeit zu überbrücken. Ich habe zwei Jahre gebraucht, um aus der Idee eine Eröffnung zu machen. Diese Zeit habe ich querfinanziert mit meinem Blog und Aufträgen als freie Beraterin.

 

Wie langen Vorlauf hat es von der Idee bis zur Eröffnung gebraucht?

Ich habe im Mai 2018 den Businessplan geschrieben, bereits ein dreiviertel Jahr später habe ich dann die Immobilie gefunden. Bis ich aber dann alles in trockenen Tüchern hatte – also den Mietvertrag, die Finanzierung, etc. hat es dann noch einmal 9 Monate gedauert. Alles in allem kann ich sagen: etwas über 2 Jahre, davon war die (Um)Bauzeit mit 4 Monaten die kleinste Zeiteinheit.

 

Welche Hürden galt es auf diesem Weg zu meistern? 

Eine Menge… vor allem kam durch Corona noch eine Schippe Hürden obendrauf. Angefangen mit der Herausforderung, die Idee so zu erzählen, dass sie Menschen überzeugt (am Anfang haben die meisten meiner Gesprächspartner gedacht ich spinne… so ein großes Projekt, als Frau und Mutter von zwei kleinen Kindern…), die Überzeugung beim Vermieter, dass wir die hohen Kosten mit dem Geschäftsmodell wieder reinholen, sowie ein 60-seitiger Mietvertrag, dann ging es an die Finanzierung – also Gespräche mit der Bank, Beschaffung von Sicherheiten, etc… Zu guter Letzt musste ich mich in Themen einarbeiten, von denen ich keine Ahnung habe – Küchenplanung, die ich zum Glück nicht selber machen musste, aber die Verhandlungen dazu führen musste (dafür ist man besser sehr gut vorbereitet) und die vielen Hürden, die einen als Gründer in den Weg gelegt werden, weil man keine entsprechenden Jahresabschlüsse der letzten zwei Jahre vorweisen kann, und so weiter… ich könnte inzwischen ein Buch schreiben! Die größte Hürde jedoch, und die wird jedem Unternehmer immer wieder begegnen: unbequeme Situationen auszuhalten. Die Kunst ist: die Vision und die gute Laune nicht zu verlieren. Ich habe so viel gelernt, das kann mir keiner mehr nehmen.

Was war dein wichtigstes Learning?

Dass ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen kann. Und dass es immer eine Lösung gibt, manchmal muss man eben kreativ sein.

 

Von wem hast du bei der Umsetzung deines Projekts Unterstützung bekommen?

Von sehr vielen Menschen. Vor allem aber von meiner Familie, meinem Team, die Stück für Stück dazugekommen sind. Außerdem von meinem Netzwerk und meinen großartigen Beiräten, die mir manche Tür geöffnet haben und ganz aktuell von Partnern, Freunden und meinem Mann, die alles für mich geben, damit ich mit meinem Team ganz bald das foodlab aufmachen kann.

 

Wie schaffst du es als Mama von zwei Kids, Start-up und Familie unter einen Hut zu bekommen?

Das geht nur mit Unterstützung: Mein Mann hält mir gerade den Rücken frei, damit ich jede Minute in das foodlab stecken kann. Meine Eltern haben feste Kinder-Tage und im Team versuchen wir Familien und foodlab als nicht getrennte Welten zu sehen. Da kommen die Kinder dann schonmal mit zum Teammeeting. Und natürlich das gegenseitige aufeinander Acht geben und für den anderen einspringen, wenn es Zuhause brennt oder ein Kinder-Geburtstag ansteht.

 

Welchen Rat hast du für andere Frauen, die sich ihrem Traum von der Selbstständigkeit erfüllen wollen?

Machen! Reden! Und sich ein Netzwerk aufbauen. Das trägt einen durch schwere Zeiten und übt die Performance.

 Weitere Infos zum foodlab bekommt Ihr unter:

foodlab.hamburg

 

Hier findet Ihr das foodlab in den Sozialen Medien:


 

Fotos: foodlab